Glockenbach: Haarscharf an Katastrophe vorbei

Nur knapp sind die Menschen am Glockenbach einer Katastrophe entgangen. Waffennarr Dominik H., der sich am Mittwoch erschoss, wollte offenbar sein Wohnhaus in die Luft jagen. Warum der irre Plan scheiterte
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Explosive Flüssigkeit in einem Kanister, davor ein Gas-Brenner: Wollte der Mann in der Holzstraße das ganze Haus in die Luft jagen?
Polizei/Sigi Müller Explosive Flüssigkeit in einem Kanister, davor ein Gas-Brenner: Wollte der Mann in der Holzstraße das ganze Haus in die Luft jagen?

Nur um Haaresbreite sind die Menschen am Glockenbach einer Katastrophe entgangen. Waffennarr Dominik H., der sich am Mittwoch erschoss, wollte offenbar sein Wohnhaus in die Luft jagen.

München - Dafür hatte Dominic H. zehn Brandbomben mit 50 Litern Spiritus gebastelt und sich mit ihnen in seinem Apartment im ersten Stock verbarrikadiert. Er hatte nach Angaben der Polizei eine Kampfausrüstung zusammengestellt, ähnlich wie sie die Helden aus Actionfilmen tragen: ein Helm mit einer Lampe, eine Spezialweste, in der er Waffen, Munition und Messer verstauen konnte. Dazu lagen Knie- und Ellbogenschoner bereit. Alles hatte der Waffennarr fein säuberlich in Schränken griffbereit.

Dominic H. hatte die 25 Quadratmeter große Wohnung in der Holzstraße zur Festung ausgebaut. Neben den Brandbomben, die er mit Signalfackeln als Zünder ausgestattet hatte, besaß er zwei großkalibrige Pistolen vom Typ Glock. Dazu tausend Schuss Munition, Massen an Chinaböllern, Messer, eine Machete sowie Gas- und Gotchawaffen. Eine Brandbombe war gleich neben der Wohnungstür plaziert, die er mit drei Koffern blockiert hatte, damit ihn niemand überraschen konnte. Eine weitere Brandbombe fand die Polizei gleich neben seinem Bett. Die übrigen waren in dem Apartment verteilt.

Offenbar nur um Haaresbreite entging die nähere Umgebung einer Katastrophe. Dominic H. zündete die Brandbomben. Doch sie explodierten nicht, weil das Mischungsverhältinis nicht passte, wie Brandfahnder der Kripo am Donnerstag berichteten.


Weitere Details wurden unterdessen auch über die Hintergründe des Einsatzes am Mittwoch bekannt. Als Sportschütze besaß Dominic H. einen Waffenschein. Er war Mitglied in einem Münchner Schützenverein. Ende 2012 teilte der Verein dem KVR mit, dass Dominik H. ausgetreten sei, damit war der Waffenschein futsch. Mehrfach wurde der Münchner nach Angaben einer KVR-Sprecherin in den letzten Monaten aufgefordert, die Pistolen abzugeben oder sie vernichten zu lassen. Er reagierte nicht. Die Behörde verhängte Zwangsgelder, die er nicht bezahlte. Jedesmal wenn Mitarbeiter des KVR vor seiner Wohnungstür standen, reagierte Dominic H.  nicht.

Bis zum Mittwochmorgen. Als zwei KVR-Beamte zusammen mit zwei Polizisten und einem Mann vom Schlüsseldienst bei ihm klingelten, setzte Dominik H. seinen irren Plan um. Er zündete drei seiner Brandbomben. Als dichter Rauch und Qualm durch sein Apartment zogen und alles in Flammen aufzugehen schien, legte er sich auf sein Bett, richtete eine seiner Pistolen gegen sich und jagte sich eine Kugel durch den Kopf.

Lesen Sie hier: SEK-Einsatz in München - Waffennarr erschießt sich

Das Motiv für die Wahnsinnstat ist völlig unklar. Dominik H. ist weder vorgestraft, noch ist bekannt, dass er an psychischen Problemen litt. Ein politisches Motiv schließt die Staatsanwaltschaft derzeit ebenso aus.

 

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