DAV-Hütte im Alpinmuseum: Das also ist der Hölle Kern
Lehel - Hätten die Erst-Erbauer gewusst, dass ihr Bauwerk 120 Jahre später mitten in München wieder errichtet wird, sie hätten sich die Transport- und Baustrapazen vielleicht erspart. Im Jahr 1893 errichtete der Deutsche Alpenverein (DAV) auf fast 1400 Metern Höhe nordöstlich unterhalb der Zugspitze die Höllentalanger-Hütte. Bis heute ist sie Ausgangspunkt für alle, die Deutschlands höchsten Berg über die berühmte Höllental-Route besteigen wollen.
Auf der Praterinsel im Garten des DAV-Museums wird diese Original-Hütte jetzt wieder errichtet. Es ist das erste Mal, dass eine Alpenhütte komplett ab- und dann wieder aufgebaut wird. "Ursprünglich war die Hütte ein sechs Mal sieben Meter großer Blockhausbau. Im Erdgeschoss gab es ein Matratzenlager mit zehn Schlafplätzen, einen Ofen, einen Schrank, Tische und Bänke", erzählt Günther Manstorfer, Erster Vorsitzender der Sektion München des DAV.
Im Keller lagerte das Bier
Im Dach konnten weitere 20 Bergsteiger schlafen und im Keller schließlich lagerte das Bier.
Weil sich Hütte wie umliegende Berge immer größerer Beliebtheit erfreuten, reichte die Kapazität schon bald nicht mehr aus. Der Alpenverein erweiterte den Bau mehrmals, zuletzt 1926. Die An- und Umbauten wurden dabei immer über die ursprüngliche Holzblockhütte gestülpt.
Der Kern der Hütte kommt zum Vorschein Foto: DAV
Doch der Zahn der Zeit und die Bergwitterung nagte am Material, und auch neueste Sicherheits-, Hygiene- und Brandschutzvorschriften waren in der Hütte zuletzt nur schwer umzusetzen. Also musste an gleicher Stelle ein Neubau her, der im August 2015 eingeweiht wurde.
Man wollte die Tradition der Berghütten bewahren
Doch was sollte mit dem alten Blockhaus geschehen? Die Sektion München als Träger der Hütte setzte sich für einen Wiederaufbau ein, aus gutem Grund: „Schließlich lebt so ein wichtiger Teil der Sektionsgeschichte weiter. Bis zum letzten Tag war ,die Hölle’ bei unseren Übernachtungsgästen und Tagesausflüglern sehr beliebt. Unsere Gäste waren sich alle bewusst, dass sie hier in einem sehr traditionsreichen Gemäuer übernachten“, sagt Thomas Gesell, Hüttenreferent der Sektion München. Diese Tradition wollte man bewahren.
Während der Abrissarbeiten drang die Baufirma daher nach und nach zur Ursprungszelle der alten Hütte vor, zerlegte sie vor Ort am Berg und transportierte sie dann auf die Praterinsel zum DAV-Museum. Dort wird sie jetzt in Handarbeit wieder errichtet, auch wird anhand alter Grundrisspläne die Einrichtung von 1894 rekonstruiert. Die Originalwände zeugen auch von so mancher Berg-Romanze – in einen Balken ist „Ich liebe Dich“ eingeritzt.
Die Hütte wird ab 2017 fertig sein - inklusiver alter Inneneinrichtung
Mit der Hütte will der DAV das Bergleben um die Jahrhundertwende erlebbar machen und die Anfänge des Schutzhüttenbaus in den Alpen zeigen. Das Alpine Museum erzählt ab 2017 dann in einer neuen Ausstellung die „Geschichte der Alpinen Schutzhütten“, auch mit und anhand der Höllental-Hüte.
Möglich macht den Wiederaufbau die finanzielle Unterstützung der Versicherungskammer Bayern. Im Frühjahr 2017 soll die neue alte „Ur-Hölle“ fertig sein. Die Hütte ist dann komplett ebenerdig zu erreichen, ganz ohne anstrengende Tour, hat aber dafür – wie früher am alten Ort – auch kein Bier mehr im Keller. Schade.
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