Blutenburg Apotheke: Wie eine Filmkulisse
Obermenzing - Betritt man die Blutenburg Apotheke in der Verdistraße, fühlt man sich sofort zurückversetzt in die Zeit der alten Schwarz-Weiß-Filme und stellt sich vor, wie Hans Moser als hektischer Apotheker durch die vermeintliche Filmkulisse saust und wild mit Pülverchen und Salben hantiert.
Auch der Apotheker Wolfgang Ebner würde ohne Probleme in das Filmset passen. Weißer Kittel, Fliege, Brille, man müsste nichts an ihm verändern. Seit der Studienzeit gehören Fliegen zu seinem Outfit und mehr als tausend haben sich inzwischen angesammelt. Darunter natürlich auch seltene und ausgefallene Stücke.
Ein paar elektronische Geräte in den Räumen zur Seite geräumt und die Filmkulisse wäre perfekt. Man könnte sofort losdrehen.
Im Krieg schlug eine Bombe im Garten ein

Am 2. Januar 1938, also vor fast 80 Jahren, wurde die Apotheke von Max Eichel eröffnet und steht heute fast im Originalzustand noch da. Damals mussten die Rezepturen noch sichtbar für die Kunden gemischt werden. So konnte man zusehen wie aus verschiedenen Substanzen das Pülverchen gegen die Kopfschmerzen hergestellt wurde.
Viele Geschichten kann Herr Ebner erzählen, viel ist passiert in den vergangenen 80 Jahren. So schlug während des Zweiten Weltkriegs eine Bombe im Garten ein und Herr Eichel verlor dadurch einige Zähne, als die Bretter der verbauten Fenster in die Räume flogen. Herr Ebner zeigt mir zwei kiloschwere Bombensplitter und man kann sich vorstellen, wie diese gefährlichen Schrapnelle nach der Explosion umherschwirrten. Unter "Heil Hitler" konnte Eichel sich, nach seinen Worten, nichts vorstellen, er kannte nur Heilkräuter.
Viel hat Ebner von Eichel gelernt. Viele Rezepturen nutzt er immer noch. Natürlich werden heute die meisten Artzney fertig gehandelt, aber die Blutenburg Apotheke unterhält noch ein großes Labor mit vielen Substanzen.
Herr Ebner erzählt auch aus der Zeit, als man Kondome noch in der Apotheke kaufen musste und das Geschäft regelmäßig mit hochroten Köpfen der Kunden und der Verkäuferinnen stattfand. Ganz verschämt wurde damals nach "Parisern" gefragt.
Wenn Ebner erzählt, spürt man seine Leidenschaft für den Beruf

Die Schränke der Apotheke wurden aus Italienischen Eiche hergestellt die heute sehr schwer zu bekommen ist und so wird sehr vorsichtig mit dem Inventar umgegangen, denn Restaurierungen sind aufwendig. Auch die Gefäße die in den Regalen des Ladens stehen, enthalten zwar noch Substanzen, werden aber nicht mehr verwendet. Zu groß ist die Gefahr, dass so ein unwiederbringliches Exemplar aus der Hand rutscht.
Wenn Ebner erzählt, spürt man seine Leidenschaft für die Sache, für den Beruf und natürlich für seine Apotheke. Es gibt so viele Geschichten, dass sie sicher für ein Buch reichen würden. Ich würde eins kaufen.
In diesem Sinne eine schöne Woche
Ihr Sigi Müller
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