Am Roecklplatz: Früher war hier das "Scherbenviertel"
Isarvorstadt - Als Studentin wohnte ich in der Isartalstraße. Das ist rund 25 Jahre her und das Dreimühlenviertel galt als „Scherbenviertel“.
Es gab noch keinen begrünten Spielplatz am Roecklplatz, der Besitzer vom Eis-Cafe Italia hatte einige Kilo mehr auf der Hüfte, und direkt neben dem Eis-Café war das YOL, ein türkisch-griechisches Restaurant mit fairen Preisen und Riesenportionen. Das YOL war bekannt und zog Münchner aus allen Stadtvierteln an. Die Besitzer waren eine schöne Griechin und ein sehr attraktiver Türke, die rund um die Uhr für ihr Restaurant arbeiteten. Er hinter der Bar und der Küche, sie im Service.
Ich war Stammkundin, soweit mein schmales Studentenbudget das her gab, und wenn am frühen Abend noch wenig los war, setzte sich die Griechin manchmal zu mir und sie erzählte. Dass sie beide ihre Heimat verlassen mussten, weil die Familien geschichtlich zementierte Einwände gegen die Nationalität des Partners hatten, dass sie hier in Deutschland ganz neu angefangen haben, dass die Arbeitstage lang sind, aber es gut so ist, weil sie beide wieder in die Heimat zurückkehren werden, sobald sie genug gespart haben.
Und wohin werden sie zurückkehren, Griechenland oder Türkei? Das war noch offen, je nachdem, welche Familie sich zuerst wieder beruhigt, ihre oder seine.
Ich machte meinen Uniabschluss, zog zuerst nach Haidhausen, dann nach Schwabing, ans andere Ende der Stadt.
Vor fünf Jahren war ich mal wieder im Dreimühlenviertel, das YOL war weg! Und die Griechin und der Türke? Sie sind immer noch glücklich zusammen, haben eine kleine Bar am Meer. Türkei oder Griechenland, egal - arbeiten um zu leben, und nicht umgekehrt. So stelle ich mir das vor, so soll ihre Geschichte enden.
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