Schranne: „Das Ganze ist ein Kasperltheater“

Wie die Münchner Stadtpolitik auf den angekündigten Rauswurf von Hallenmieter Jürgen Lochbihler reagiert – und warum sie in den Streit nicht eingreifen will.
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Trister Alltag in der Schranne: Tagsüber ist hier meist gar nichts los.
Martha Schlüter Trister Alltag in der Schranne: Tagsüber ist hier meist gar nichts los.

MÜNCHEN - Wie die Münchner Stadtpolitik auf den angekündigten Rauswurf von Hallenmieter Jürgen Lochbihler reagiert – und warum sie in den Streit nicht eingreifen will.

Der Streitfall Schranne ist eskaliert. Die Eigentümergesellschaft will ihren Mieter Jürgen Lochbihler aus der Halle werfen (AZ berichtete). Die Münchner Stadtpolitik verfolgt die jüngsten Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Immerhin hat die Stadt das Grundstück, auf dem die Halle steht, in Erbpacht vergeben.

„Das Ganze ist ein Kasperltheater“, findet CSU-Stadtrat Richard Quaas. Er fordert OB Christian Ude auf, sich in den Streit einzumischen. „Es ist im ureigensten Interesse der Stadt, dass die Halle nicht runterkommt und zur Investitionsruine wird!“ Deswegen solle der OB die Unzufriedenheit der Stadt zum Ausdruck bringen und versuchen, auf die Streitparteien einzuwirken.

Ist der Konflikt reine Privatsache?

Bürgermeister Hep Monatzeder hält von dem Vorschlag wenig. „Moralische Appelle nutzen in diesem Fall gar nichts.“ Die Pacht aus dem Erbbaurechtsvertrag sei regelmäßig an die Stadt abgeführt worden. Der Konflikt sei also eine privatrechtliche Angelegenheit – und nicht Stadtsache. Genauso beurteilen Kollegen aus FDP und SPD den neuesten Akt im Schrannen-Drama. „Es gibt keinerlei Möglichkeiten, einzuschreiten“, sagt Michael Mattar, Fraktionschef der FDP im Rathaus.

„Staunend“ verfolgt SDP-Mann Alexander Reissl die Männerfehde zwischen den einstigen Geschäftspartnern Lochbihler und Klaus Thannhuber, der Einzelprokura für die „Schrannenhalle GmbH & Co.KG“ hat. „Das sind zwei, die haben sich ineinander verhakt. Da kann auch die Stadt nicht schlichten.“ Schließlich würden massive wirtschaftliche Interessen hinter dem Konflikt stecken. Showdown in der Schranne – und die Stadt schaut zu.

CSU-Mann Quaas bedauert, dass Lochbihler die Halle räumen soll. „Das hat er nicht verdient, dass man ihm jetzt einen Fußtritt versetzt.“ Der Geschäftsmann habe sich wenigstens bemüht, die Schranne am Leben zu halten. „So etwas vergammelt ja sehr schnell.“ Eine Dauerlösung hat Quaas in Lochbihlers Konzept aber nie gesehen. „Ein Event-Tempel mit mangelndem Lärmschutz – das kann’s nicht sein!“

Schrannenmieter Lochbihler selbst gab sich gestern einsilbig. Was hat er vor? Will er die Frist für die Räumung einfach ignorieren? Die knappe Antwort: „Wir erfüllen unseren Mietvertrag.“

Julia Lenders

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