Schock-Fotos aus Bayerns Bäckereien

„Je größer der Betrieb, desto größer die Probleme“: Kontrolleure haben Schaben und Schädlinge fotografiert. Und bei Müller-Brot packen Mitarbeiter aus.
von  Anne Kathrin Koophamel

„Je größer der Betrieb, desto größer die Probleme“: Kontrolleure haben Schaben, Schimmel und Schädlinge fotografiert. Und bei Müller-Brot packen Mitarbeiter aus: „Mäuse auf der Laderampe“

München - Verdorbene Teig-reste, Laibe voller Schaben, tote Mäuse: Die Bilder, die jetzt aus bayerischen Bäckereien aufgetaucht sind, sind erschreckend – und ekelhaft.

Dem BR-Politik-Magazin „Kontrovers“ wurden diese Aufnahmen zugespielt. Bäckern und Lebensmittel-Hygienikern sind sie längst bekannt: Sie stammen aus einem internen Vortrag der „Vereinigung der Backbranche“.

Das Erschreckende: Alle Fotos haben Kontrolleure in bayerischen Betrieben aufgenommen. In dem „Kontrovers“-Beitrag, der sich vor allem mit dem Skandal bei Müller-Brot beschäftigt, erzählt der Lebensmittel-Hygieniker Gero Bruckmann, dass es regelmäßig Probleme mit der Hygiene gibt: „Solche gravierende Mängel kommen durchaus in bayerischen Bäckereien vor.“ Und: „Je größer der Betrieb, desto größer die Probleme.“ Das Müller-Werk in Neufahrn ist demnach nicht das einzige in Bayern, das Semmeln und Brezn zwischen Schimmel und Dreck backt.

Auf den Bildern zu sehen sind verdorbene Teigschlangen, die in Ecken liegen oder sich unter Förderbändern kringeln. Kakerlaken, die über Gitter und Förderbänder krabbeln. Die Kadaver von Mäusen, die unter den Maschinen gefunden wurden. An den Lamellen der Waschanlage für Kisten klebt eine dicke Schimmelschicht.

In dem TV-Beitrag packen auch zwei ehemalige Verkäuferinnen aus Müller-Filialen aus: „In den Tüten, in denen die Semmel verpackt waren, kamen scharenweise Motten raus“, erzählt eine der Frauen.

 


 

Küchenschaben zwischen den Teiglingen

Sie berichtet auch von Küchenschaben zwischen den Teiglingen, von Kieselsteinen und Mäusekot auf Broten. „Meistens waren dann auch in den Nussschnecken innen drin so schwarze Teile“, sagt ihre Kollegin. Unter Kisten mit Gebäck hätten sich Exkrementspuren gefunden, verweste Mäusekadaver sammelten sich unter der Spüle in einer Filiale. Eine der Frauen hat schließlich 2010 die Behörden informiert. Auch weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Doch dauerte es noch über ein Jahr, ehe das Werk am 30. Januar 2012 vorerst geschlossen wurde. Wegen „gravierender Hygienemängel“.

Ein Mitarbeiter aus dem Werk bei Neufarn berichtet auch von Schmutz, Schaben und verdorbenen Brotresten: Bänder, Böden, Decken – alles müsse heraus gerissen und erneuert werden. Die Fließbänder, auf denen die Backwaren transportiert worden sind, liegen zurzeit im Hof des Müller-Werk. Sie müssen gereinigt oder ersetzt werden.

Der Mitarbeiter: „Das Unangenehmste sind die Mäuse. Die sind auch auf den Laderampen.“ Dort wird das fertig gebackene Brot in Lastwagen verladen, die die Ware in die Filialen bringen.
Dabei hat ausgerechnet im Jahr 2010 das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit verstärkt Bäckereien und Mühlen inspiziert: In den Vorjahren waren häufig Hygienemängel in Betrieben mit Getreide aufgetreten. 46 Firmen haben die Kontrolleure binnen eines Jahres untersucht – nur ein Bruchteil der Mühlen, Bäckereien, Filialen und SB-Läden in Bayern. Zwei Mühlen und vier Bäckereien wiesen schließlich gravierende Mängel auf. Hier wurden Schädlinge und Nager gefunden, außerdem waren die Geräte verschmutzt.

„Die größte Schwachstelle bei den Mühlen ist die Schüttgosse, also dort, wo die ungemahlenen Körner reingeschüttet werden“, sagt eine Sprecherin. Auch die Kühlkette war mehrmals unterbrochen worden.

 


 

Müller hat insgesamt 70.000 euro Bußgeld bezahlt

Dass Schädlinge in Getreidebetrieben vorkommen, sei öfter der Fall, sagt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Sie kommen dahin, wo es Getreide gibt, das sie fressen“, sagt eine Sprecherin. Gute Kontakte zu Kammerjägern seien deshalb in der Branche üblich. Ein Problem seien die Tiere aber nur, „wenn ein durchgängiges Bekämpfungskonzept“ fehle, sagte die Sprecherin weiter.

Fehlende Schädlingsbekämpfung – vom Förderband bis ins Silo – war mehrmals bei Müller-Brot in Neufarn von den Kontrolleuren reklamiert worden. Insgesamt hat Müller-Brot seit Oktober 2009 fast 70.000 Euro an Bußgeldern bezahlt, einige Bescheide von der Staatsanwaltschaft sind noch nicht beglichen worden.

Die Arbeit bei Müller-Brot ruht. Einen Termin für einen Kontrollgang gibt es bislang noch nicht, heißt es beim zuständigen Amt. Erst müsse saniert werden. Von Grund auf.

 

 

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