Pleite! Münchner verpfänden ihre Autos
Um Weihnachten boomt das Geschäft bei einem Kfz-Pfandleihhaus in Unterföhring – der Firmen-Vorstand: „Wir haben eine schlagartige Steigerung von über 40 Prozent, die Telefone stehen nicht mehr still.“
UNTERFÖHRING Die Weihnachtsgeschenke sind gekauft, die Kasse ist leer. Jetzt haben Pfandhäuser Konjunktur – fürs schnelle Geld. Immer beliebter: PS zu Kohle machen. „Bei uns geht derzeit die Post ab“, bestätigt Till von Geldern den Trend. Er ist Vorstand der Pfandfinanz-Tochter „car2cash“, einem Auto-Pfandleihhaus. Der Hauptsitz der deutschlandweit operierenden Firma ist Unterföhring.
„Im Gegensatz zu anderen Monaten haben wir jetzt eine Steigerung der Verträge um 43 Prozent“, berichtet er. „Die Telefone stehen nicht mehr still.“ Der Grund für den Zulauf: „Erst an Weihnachten und im Januar kommen die Rechnungen der Versicherungen und Steuernachzahlungen. Bei Selbstständigen fallen Sozialabgaben für Beschäftigte an.“ Viele können das nicht mehr bezahlen. „Und bekommen auch wegen Schufa-Einträgen bei der Bank nichts mehr.“ Wenn doch, dauert das. „Kurzfristig, schnell, stressfrei gibt es bei uns Bargeld innerhalb von 20 Minuten“, sagt Till von Geldern.
Häufig bringen die Kunden Zweitwagen, Motorräder oder Cabrios zum Unterstellen bei „car2cash“, um die Zahlungsunfähigkeit zu überbrücken. „Es sind Fahrzeuge, die über Weihnachten nicht gebraucht werden“, erklärt von Geldern. „Handwerker zum Beispiel bringen Lieferwagen.“
Pfand mit Weiterfahr-Option
Andere können es sich nicht leisten, ihr Auto stehen zu lassen. „Für sie haben wir ,Sale and rent’, das zur Zeit sehr gefragt ist.“ Das Pfandleihhaus nimmt dabei den Wagen in Zahlung, der Kunde mietet ihn, bis er sein Auto wieder auslösen kann. „Viele sind darauf angewiesen, mobil zu sein. Deswegen bringt uns diese Weiterfahr-Option jetzt auch viele Kunden“, so Till von Geldern.
Das ist wohl der Grund, warum im anderen Münchner Kfz-Pfandleihhaus alles wie immer läuft. Dort sei die Auftragslage derzeit nicht anders als sonst, heißt es.
„Bei uns ist so viel los, dass wir auch zwischen Weihnachten und Neujahr auf haben“, so dagegen der Chef von „car2cash“. „Im Februar holen die meisten Kunden ihre Autos wieder ab, wenn das Januar-Gehalt auf dem Konto ist.“
Barbara Brießmann
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