PC-Sucht: Jeder 10. Jugendliche ist gefährdet!
Wenn Kinder ständig vor dem Bildschirm oder Smartphone hocken, nachts nicht schlafen können und ihre Freunde verlieren, sind sie vielleicht PC-süchtig. Das sagt ein Suchtexperte:
München/Mainz - Während vor allem Mädchen häufig unter Essstörungen leiden, flüchten Buben eher in die virtuelle Welt ins Internet per Smartphone. „Etwa jeder zehnte Jugendliche zeigt ein bedenkliches Webverhalten“, sagt der Psychologe Kai Müller von der Ambulanz für Spielsucht an der Uni Mainz, die 680 internetsüchtige Patienten betreute. Als gefährdet gilt, wer bereits dabei ist, sich aus bestimmten Lebensbereichen zurück zu ziehen – zum Beispiel immer weniger Freunde trifft.
Ein besonderes Suchtpotenzial bei Jugendlichen sieht Psychologe Müller vor allem in den so genannten Massive Multiplayer Online Role Playing Games (MMORPG) – Internet-Rollenspiele, bei denen gleichzeitig mehrere tausend Spieler eine virtuelle Welt bevölkern. Aber auch andere Online-Spiele, soziale Netzwerke, Pornoseiten und Gewinnspiele haben Suchtpotenzial.
Der Experte schätzt, dass etwa 1 Prozent aller Deutschen internetsüchtig ist, davon 3 bis 4 Prozent Jugendliche. Als exzessive Nutzung gilt dabei ein Mittelwert von 8 bis 12 Stunden vor dem Bildschirm.
Abhängige können ihren Internetkonsum nicht mehr selbst einschränken. Sie isolieren sich sozial und verlieren ihre Freunde oder brechen mit der Familie. Auch Jobverlust oder Schulabbruch können Folgen sein.
Eine Studie, an der Kai Müller mitwirkte, ergab, dass Jugendliche, die exzessiv im Netz unterwegs sind gleichzeitig unter einer Depression oder Angsterkrankung leiden.
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