OEZ-Todesschütze Ali David S.: Rechtsextrem oder nicht? Streit um Gutachten

David S. hat am OEZ neun Menschen brutal ermordet. Zwei Jahre später tobt noch immer der Expertenstreit.
Ralph Hub |
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In und vor der McDonald's Filiale am OEZ tötete Ali David S. neun Menschen.
dpa/privat In und vor der McDonald's Filiale am OEZ tötete Ali David S. neun Menschen.

München - Was waren die Motive von David S.? Das LKA präsentierte jetzt das Gutachten einer Gießener Uni-Professorin, das die These vom Amok-Täter stützt, der gerieben wurde von Kränkungen und Mobbing.

Die Kriminologin Britta Bannenberg gilt als eine führende Expertin bei der Erforschung von Amokläufen. Ihr Gutachten besagt, so LKA-Sprecher Ludwig Waldinger, "dass die Tat nicht als rechtsextrem zu bewerten ist, sondern sich als Amoklauf darstellt".

Rund 80 Seiten umfasst Bannenbergs Bericht, etwa vier Monate hat die Kriminologin daran gearbeitet. Sie hatte Einsicht in alle Ermittlungsakten.

Drei Rechtsextremismusforscher, die 2017 im Auftrag der Stadt München die Tat untersuchten, haben genau die selben Unterlagen analysiert. Sie kommen zum Ergebnis, dass es sich um ein "rechtsextremes Hassverbrechen" handelt.

Vergangenen März hat auch das Bundesamt für Justiz in Bonn die Tat als extremistisch eingestuft (AZ berichtete).

David S. erschoss am 22. Juli 2016 am OEZ neun Menschen. Anschließend nahm sich der 18-Jährige in einer nahegelegenen Grünanlage selbst das Leben.

Pikant: Einige Punkte des Gutachtens sind bereits widerlegt

Einer der früheren Gutachter, der Politikwissenschaftler Florian Hartleb, kritisiert das neue Gutachten: "Aus meiner Perspektive ist das herrschende Narrativ eines unpolitischen Amoklaufs sehr falsch." Die Tat sei eindeutig ein rechtsextremistisches Attentat gewesen.

Die Darstellung des LKA sei politisch motiviert, "um die politische Debatte nicht zu führen, weil sich Bayern als Vorzeigeland gegen Extremismus und Terrorismus geriert", sagte Hartleb.

Es sei "sehr bezeichnend", dass Staatsregierung und Behörden den "rassistischen Anschlag nicht als rechtsextreme Tat einstufen wollen", kritisiert Nicole Gohlke, Bundestagsabgeordnete der Linken. David S. habe "Hass auf Menschen mit Migrationshintergrund" und die Opfer gezielt "mit rassistischem Muster ausgesucht".

Einige Punkte im Gutachten der Professorin, beispielsweise dass David S. keinen Kontakt zu Rechten oder Rassisten unterhielt, sind widerlegt.

Der 18-Jährige war sogar Teil eines virtuellen rassistischen Netzwerks. Auf der Computerspiel-Plattform "Steam" chattete er mit 255 Leuten aus mehreren Ländern. Amokläufer und rechte Hassverbrecher wie der Norweger Breivik wurden dort zu Helden stilisiert, Vernichtungsfantasien richteten sich gegen "Nicht-Arier", Farbige, Migranten, Juden und Flüchtlinge.

Extremismusforscher im Interview: "Das OEZ-Denkmal muss geändert werden!"

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