Nordfriedhof: Die Sphingen wachen wieder
München - Eine leichte Windbrise bringt die seidig-glänzende Abdeckung zum Flattern. Wird der Stoff vom Wind gegen die Skulptur geweht, deuten sich erste Details an: Ein kräftiger Schenkel des Löwenkörpers – oder der Schnabel des Hahnenkopfes. Wenig später wird er enthüllt: Der Zwilling der Sphinx, die seit einem Jahr wieder am Eingang des Nordfriedhofs wacht. Zumindest eine Kopie. Denn die originalen Sphingen sind Anfang der 50er Jahre auf rätselhafte Art und Weise verschwunden. Ihr Verbleib ist bis heute ungeklärt.

Dem Nachbau der Sphingen haben sich die Steinbildhauer Wolfgang Gottschalk und Barbara Oppenrieder federführend gewidmet. Steinmetz Olaf Klein hat zweimal pro Woche geholfen, auch Steinmetz-Meisterschüler durften an dem Fabelwesen aus Stein mitarbeiten. Besonders: Die Münchner konnten den Steinmetzen wieder dabei zuschauen, wie sie in ihrer Sphingenbauhütte am Nordfriedhof aus einem mehrere Tonnen schweren Klotz aus Kelheimer Naturstein 800 Kilogramm abtrugen, bis sich die zweite Sphinx formte.
Auf den Tafeln der Sphinxen: "Siehet zu“ und "Wachet und betet“
Barbara Oppenrieder erzählt: "Wegen der Corona-Krise mussten wir die Arbeitsstätte umzäunen, um ausreichend Abstand zu gewährleisten." Anders als die erste Sphinx, die ein Geschenk der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung an die Stadt zum 200. Geburtstag des Nordfriedhofs war, hat die Stadt die Kosten für die zweite Sphinx (43.000 Euro) selbst bezahlt. Anstoß dafür war ein Antrag der CSU-Fraktion gewesen. Jetzt stehen die Sphingen, die schon in Thomas Manns "Tod in Venedig“ erwähnt wurden, wieder da.

Die Sphinx, die seit 2019 links neben dem Eingang wacht, hält eine Tafel in ihren Pranken, auf der steht: "Siehet zu“. Die neue Sphinx, rechts neben dem Eingang, hält eine Tafel mit der Aufschrift: "Wachet und betet“. Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) sagt ganz geheimnisvoll: "Wer weiß, vielleicht wird das Rätsel, wo ihre Vorgänger sind, auch irgendwann gelüftet.“
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