Neuer Schocker: Leberspende für Alkoholiker?

Neue Vorwürfe im Organspendeskandal gegen die Münchner Klinik: Laut "SZ" haben auch Alkoholabhängige Spenderlebern erhalten - und seien teils Tage nach der Transplantation verstorben.
dapd |
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Ärzte erheben neue Vorwürfe im Organspendeskandal gegen die Münchner Klinik. Laut der "Süddeutschen Zeitung" haben auch Alkoholabhängige Spenderlebern erhalten - und seien teils Tage nach der Transplantation gestorben.

München - Ärzte erheben nach Berichten über Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen am Münchner Klinikum rechts der Isar neue Vorwürfe. An dem Klinikum werde zu lax mit der Aufnahme von Patienten auf die Warteliste umgegangen, sagten mehrere Transplantationsexperten der „Süddeutschen Zeitung“. So seien dort auch Alkoholkranke, die nicht vollständig trocken waren, mit Organen versorgt worden. Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer müssen Alkoholiker aber für mindestens sechs Monate völlige Abstinenz eingehalten haben, bevor sie Anrecht auf eine Spenderleber haben.

Das Blatt schrieb, einzelne Patienten, denen das Klinikum Spenderorgane eingepflanzt habe, seien zuvor vom Universitätsklinikum Großhadern für eine Listung abgelehnt worden. „Es gab ganz offensichtliche Differenzen bei der Bewertung solcher Patienten“, sagte ein Chirurg dem Blatt. Der Zeitung zufolge soll eine Patientin, die als hochgradig alkoholabhängig beschrieben wurde, im Jahr 2011 eine Leber erhalten haben. Sie starb wenige Tage nach der Transplantation. Das Klinikum gab demnach an, für diese Patientin habe ein psychosomatisches Gutachten vorgelegen, das ihr vor der Aufnahme auf die Warteliste eine mehr als sechsmonatige Abstinenz bescheinigt habe. Auch habe sie alle Untersuchungstermine wahrgenommen.

Das Blatt schrieb, das Lebertransplantationsprogramm am Klinikum Rechts der Isar habe unter Druck gestanden, seit im Jahr 2006 der Wissenschaftsrat die geringe Zahl der dort verpflanzten Lebern moniert hatte. Er habe empfohlen, Lebern in München künftig nur noch in Großhadern zu transplantieren. Das bayerische Wissenschaftsministerium habe mitgeteilt, vor einer endgültigen Entscheidung sei eine Übergangszeit vereinbart worden, während der „die für die weitere Zulassung als Transplantationszentrum erforderliche Qualität der Transplantationen, zu der auch die Einhaltung von Mindestmengen gehört, sicherzustellen“ sei. Dem Blatt zufolge stieg die Zahl der verpflanzten Lebern im Klinikum von 14 im Jahr 2007 auf 37 im Jahr 2011.

(Richtlinie der Bundesärztekammer: url.dapd.de )

 

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