Neonazis hetzen 16-Jährigen
Sie drohten dem Schüler mit Mord und jagten ihn durch Nürnberg, aber niemand half. Jetzt müssen die Männer ins Gefängnis
Nürnberg - Nachmittags, mitten in der vielbelebten Nürnberger Südstadt, machen Horst S. (32) und Robert B. (34) regelrecht Hatz auf einen 16-jährigen Schüler: Halib K. (Name geändert), in Nürnberg geboren, ein Deutscher. Seine dunkle Hautfarbe aber ließ seine ausländischen Wurzeln erkennen. Grund genug für die Neonazis, sich den schmächtigen Jugendlichen im Juli 2010 richtig vorzuknöpfen (AZ berichtete).
Sie beschimpften und bespuckten Halib K., drohten sogar, ihn umzubringen. Doch heute wollen die beiden Neonazis, die Hakenkreuz-Tattoos tragen und deren gemeinsame Wohnung mit Nazi-Symbolen voll gestopft war, vor Gericht nichts mehr davon wissen.
Rückblick: Im Zwischengeschoss des Aufseßplatzes in Nürnberg trafen Horst S. und Robert B. laut Anklage auf ihr Opfer. „Drecksausländer, verschwinde aus unserem Land“, sollen sie Halib K. angepöbelt haben. Als der fragte, was das solle, spuckte Horst S. ihm mitten ins Gesicht. Halib K. wollte nur noch weg. Er rannte zum Ausgang. Doch die Neo-Nazis folgten ihm – und begannen ihn zu jagen.
Horst S. setzte ihm nach: „Ich bring dich um!“ Immer und immer wieder. Der Schüler rannte um sein Leben. Kein Passant schritt ein oder eilte zur Hilfe.
In seiner Verzweiflung flüchtete sich Halib K. schließlich in ein Friseurgeschäft. Die Inhaberin sagte hinterher zur AZ: „Er stürmte herein, versteckte sich hinter dem Tresen und bettelte: ,Helft mir!’“
Doch der Horror war noch nicht zu Ende: Horst S. drückte sich gegen das Schaufenster, entblößte seine muskulösen Oberarme und das Hakenkreuz-Tattoo darauf. Immer wieder fuhr er sich mit dem Daumen über die Kehle. Die Botschaft sollte klar sein: Wir schlitzen dir die Kehle auf.
Erst als der Ehemann der Friseurin sich den Nazis entgegenstellte und die Polizei rief, liefen die Männer davon.
Der Bursche habe einfach zu dumm geguckt, so meinte Robert B. frech zur Richterin. Horst S. behauptete, er habe mit der rechten Szene gar nichts zu tun.
Für solche Aussagen ernteten die offenkundigen Neonazis im Gericht nur spöttische Blicke.
Am Donnerstag wurde Horst S. als Haupttäter zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Bevor er seine Haftstrafe antritt, muss er außerdem in eine Erziehungsanstalt. Sein Freund Robert B. wurde wegen Drogen, Waffen- und Munitionsbesitzes zu acht Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Beide waren bereits einschlägig vorbestraft.
- Themen:
- Polizei