Kassen-Ärger im Sealife München: Langes Warten auf die Fische

München - Wer Tickets online kauft, kann sich Vorteile sichern – manchmal, aber nicht immer. Auf Reisen lässt sich mit einem vorab gekauften Online-Ticket bei Sehenswürdigkeiten wie Eiffelturm oder Vatikan die reguläre Schlange an der Kasse umgehen. In München wird im Deutschen Museum das Online-Ticket an einem Extra-Zugang flott eingescannt.
Damit es etwas schneller geht – genau deshalb hat eine Familie aus München vor ihrem Besuch im Erlebnis-Aquarium "Sealife" die Tickets zuvor online gekauft. Gebracht hat es ihr aber nichts: Am 30. Dezember, einem bitterkalten Tag, will Familie R. mit ihrer 20 Monate alten Tochter Marie "Tiere im Warmen anschauen". Deswegen wählt sie als Ausflugsziel das "Sealife" und nicht in den großen Tierpark.
Am Aquarium im Olympiapark angekommen, steht sie mit Freunden und weiteren Kleinkindern allerdings über eine Stunde draußen in der Eiseskälte in der Schlange: "Eine Zumutung!", findet Julia R.
Express-Zugang gibt's nur gegen Extra-Gebühr
"Mama meine Hände sind kalt. Ich möchte rein", habe die kleine Tochter laut gejammert, die gerade einen ordentlichen Schnupfen hat. Doch beim Eingang ins "Sealife" macht ihr bezahltes Ticket keinen Unterschied. "Leute mit Online-Ticket und ohne werden gleichbehandelt und müssen an der Kasse anstehen", regt sich Mutter Julia R. (37) auf: "Wir mussten doch kein Portemonnaie herausholen. Ich habe gedacht, das läuft am Eingang, wie am Flughafen: Dass man sich einfach einscannt", sagt die Juristin.
Die Münchnerin hat falsch gedacht. Denn durch den Express-Eingang im "Sealife" dürfen nur Besucher mit dieser Variante des Online-Tickets: mit dem "Express-Ticket mit verkürzter Wartezeit", das pro Person vier Euro mehr kostet. Dieses Ticket (17,90 pro Erwachsener) hätte die Familie vorher kaufen müssen. Jetzt möchte sie es, kann es aber nicht nachlösen: "Wie Sealife das organisiert, hat uns sehr irritiert. Auch viele andere Besucher mit Online-Ticket waren frustriert," so Julia R.
"Hier wird schonungslos Kasse gemacht"
Sie schimpft über die "Expresskassen-Abzocke" im Sealife, die sie in Zeiten der Digitalisierung mit schneller Ticket-Scannung für "völlig veraltet" hält: "Das ist eine große Unverschämtheit gegenüber Familien, die bei Minusgraden warten müssen", regt sich die Mutter auf: "Hier wird schonungslos Kasse gemacht."
Die Info mit dem Expressticket hatte sie beim Onlinekauf zwar gelesen. Dieses teure Spezial-Ticket für den Sofortzugang hatte sie aber nicht für nötig gehalten. Dem Unternehmen "Sealife" mit Aquarien in acht Standorten in Deutschland empfiehlt die Juristin Julia R. daher: "Bringen Sie bitte auf der Internetseite klarer zum Ausdruck, dass wer das Expressticket nicht erwirbt, mit einer langen Wartezeit von über 30 Minuten rechnen muss."
Sealife: Online-Ticket dient zum Sparen
Denn was viele Besucher nicht wissen: Bei "Sealife" dient das einfache Online-Ticket vor allem zum Sparen: Es ist bis zu 50 Prozent billiger als der Kassenpreis. Besucher, die auch mal quengelige Kleinkinder dabei haben, sollten also besser ein Expressticket lösen.
Susanne Duda, Marketing Manager von Sealife München, rechtfertigt sich so: "Gerade in den Ferienzeiten und an den Wochenenden kommen gerne viele Besucher zu uns, was tatsächlich zu Wartezeiten am Einlass führt. Auf unserer Website werden die regulären Onlinetickets direkt neben den Expresstickets mit den Unterschieden klar dargestellt. "
Die Mitarbeiter seien aber auch darauf geschult auf Sonderwünsche einzugehen: "Dazu ist eine direkte Ansprache vor Ort die einzige und einfachste Möglichkeit", verteidigt sich die Dame von Sealife München. Julia R. bezweifelt, dass damit ihr Problem gelöst worden wäre: "Das ist keine realistische Lösung. Allen ist kalt. Alle sind genervt. Wir hätten den Zorn der anderen Wartenden auf uns gezogen, wenn wir einen Sonderwunsch geltend gemacht hätten", vermutet sie.
Die Rochen, Schildkröten und Haie im Sealife ziehen vor allem Besuchern mit kleinen Kindern an. Julia R.: "Ich halte es für abwegig, hier mit Sonderwünschen zu kommen, wenn keine absolute Ausnahmesituation mit den Kindern vorliegt."
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