Hansi Hinterseer: Zoff in seiner Plattenfirma
Von Jack White gegründet, von Thomas M. Stein verlassen, kämpft die 313music JWP AG auf dem Musikmarkt ums Überleben. Da kochen bei der Hauptversammlung alte Fehden aus verfeindeten Lagern wieder hoch.
MÜNCHEN „Jedes Jahr das gleiche Nachgetrete“: Die Aktionäre der 313music JWP AG waren gestern für die Hauptversammlung teilweise gut mit verbaler Munition gerüstet. Im Vorfeld wurde schon von „Veruntreuung“ gemunkelt. Und doch wurde die Linie des Vorstandes und der Geschäftsbericht nach langem Hickhack mehrheitlich abgesegnet.
Ruhig ging die Veranstaltung der Plattenfirma los, für die das Zugpferd Hansi Hinterseer ist. Gegründet hatte das Unternehmen einst Produzent Jack White, bis er seinem Laden den Rücken kehrte. Vorstand wurde Thomas M. Stein, einst Juror bei „Deutschland sucht den Superstar“. Im vergangenen Jahr verließ er die 313music JWP AG – im Streit. Auch Vorstandskollege Volker Neumüller nahm seinen Hut – beide mit einem goldenen Handschlag. Im September 2008 rückte Klaus Munzert zum alleinigen Vorstand auf.
Gestern stellte er den Geschäftsbericht für das vergangene Jahr vor – mit wenig erfreulichen Zahlen. „Die Absatzzuwächse im Musikmarkt sind gleich Null“, so Munzert. „In Deutschland wurden 30 Prozent weniger Singles verkauft, bei CDs 2,4 Prozent weniger.“ Allerdings gebe es eine deutliche Nachfrage bei deutschsprachiger Musik, der Online-Vertrieb wächst, die Leute drängen in Konzerte und wollen Fanartikel ihrer Stars – wie vom Hansi.
Der Aktienkurs ist im Keller
Auf diese Trends und neue Künstler wie Bürgermeista, Eko Fresh, Mike Krüger und Umberto Tozzi sollen wieder Geld in die Kasse der 313music JWP AG bringen – und den Aktienwert steigern. Das Wertpapier „war schon mal bei 57 Euro“, so ein Aktionär zur AZ. Im vergangenen Jahr rauschte der Preis auf 33 Cent pro Stück in den Keller. Jetzt liegt er bei 73 Cent.
„Systematische Geldvernichtung“, warf Aktionär Frank Nußbaum (1 Aktie) dem Vorstand vor. „Stopfen Sie nur noch Löcher?“ Die Retourkutsche eines anderen Aktionärs (über 260 000 Papiere) kam prompt. „Sie und Jack White haben doch den Karren in den Dreck gefahren.“ Frank Nußbaum war unter seinem Vater Jack White Finanzvorstand der Firma.
„Solange dieser Kleinkrieg nicht aufhört, bleibt die Firma auf Glatteis“, meinte ein Anleger. Barbara Brießmann
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