Grüne jubeln über Kommunalwahl – Reiter muss Koalition schmieden
Nach der zweiten Runde der Kommunalwahlen folgt nun die Wahlanalyse. Rundum zufrieden sind nur die Grünen, die erstmals in Deutschland zwei Landrats-Posten erobern konnten. Die CSU gewinnt auf dem Land und schwächelt in den Städten, bei der SPD ist es genau umgekehrt.
München – Nach den Landrats- und Bürgermeister-Stichwahlen haben die Parteien in Bayern mit der Aufarbeitung und Analyse der Wahlergebnisse begonnen. Rundum zufrieden zeigten sich am Montag vor allem die Grünen, die nach ihren Erfolgen gestärkt und höchst zuversichtlich in die nächsten Wahlkämpfe gehen. „Das gibt uns Rückenwind für die kommenden Wahlen“, sagte Landeschefin Sigi Hagl mit Blick auf die Europawahl Ende Mai.
Die Grünen hatten am Sonntag erstmals in Deutschland zwei Landrats-Posten erobert. Der neue Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sprach von einem Auftrag der Wähler, den er erbeten und erwünscht habe. „Und was ich noch nicht so recht realisiert habe: dass ich den jetzt habe.“ Reiter hatte die Stichwahl um die Nachfolge von Christian Ude am Sonntag gegen seien CSU-Kontrahenten Josef Schmid gewonnen.
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Die Grünen haben nicht nur in Stadträten und Kreistagen zugelegt, sondern stellen auch die Landräte im unterfränkischen Miltenberg und im oberbayerischen Miesbach. Zudem gibt es nach Angaben eines Parteisprechers nun 14 grüne Bürgermeister in Bayern – sechs mehr als bisher. Auch für anstehende Wahlen in anderen Bundesländern bedeute das bayerische Resultat enormen Auftrieb, sagte Hagl: „Das ist für die Grünen ein Schub.“
Die CSU hat bei den Stichwahlen bittere Niederlagen in mehreren Städten erlitten, dafür aber ihre Dominanz auf dem Land ausgebaut. Die Christsozialen verloren zwar vier der fünf wichtigsten Oberbürgermeister-Stichwahlen, gewannen aber dafür in 14 von 18 Landkreisen. Die CSU stellt damit nun 50 der 71 bayerischen Landräte - fünf mehr als bisher. Die Freien Wähler regieren nach eigenen Angaben künftig in 13 Landkreisen – das ist einer weniger als bisher.
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Die SPD verlor fünf Landkreise an die CSU und stellt nun nur noch sechs Landräte in Bayern. In Oberbayern – dem größten und bevölkerungsreichsten bayerischen Regierungsbezirk – gibt es nun keinen SPD-regierten Landkreis mehr. Zuvor waren es noch zwei. Die Sozialdemokraten gewannen aber nicht nur das bundesweit beachtete Prestigeduell um die Macht im Münchner Rathaus, sondern eroberten außerdem die OB-Sessel in den bisher CSU-regierten Großstädten Regensburg und Erlangen.
In Ansbach bezwang die parteilose Oberbürgermeisterin Carda Seidel ihren CSU-Herausforderer. Im bisher SPD-regierten Würzburg dagegen gewann der CSU-Kandidat Christian Schuchardt. In München muss der neuen Oberbürgermeister nun eine Koalition im Rathaus schmieden. Denn das bisherige rot-grüne Bündnis hat seine Mehrheit im Stadtrat aufgrund drastischer SPD-Verluste verloren.
Reiter kündigte an, mit allen Fraktionen außer den Rechten und der Alternative für Deutschland sprechen zu wollen. Die Gespräche mit der CSU, die nun die stärkste Fraktion stellt, stünden aber nicht im Vordergrund.
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