Frau lebt: Arzt stellt irrtümlich Totenschein aus

Ein Arzt stellt fest, dass eine 67-Jährige gestorben sei. Die Polizei führt eine weitere Leichenschau durch – und bemerkt, dass die Frau noch atmet. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft
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Das ist das Haus von Irene R. in Landsberg, in dem der Arzt Winfried F. den vermeintlichen Tod der Frau feststellte
Sebastian Müller Das ist das Haus von Irene R. in Landsberg, in dem der Arzt Winfried F. den vermeintlichen Tod der Frau feststellte

AUGSBURG/LANDSBERG A. LECH - Ein Arzt stellt fest, dass eine 67-Jährige gestorben sei. Die Polizei führt eine weitere Leichenschau durch – und bemerkt, dass die Frau noch atmet. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

Kaum vorstellbar, dass so etwas wirklich passiert: Ein Arzt hat in Landsberg am Lech eine Frau für tot erklärt – obwohl sie noch lebte. Jetzt ermittelt die Polizei, und auch die Staatsanwaltschaft ist bereits eingeschaltet. Der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung steht im Raum. Weil die Frau keine Hilfe bekam.

Noch halten sich die Ermittlungsbehörden bedeckt. Der Fall stellt sich aber wohl so dar: Am Dienstag wird der Arzt Winfried F. (alle Name geändert) ins Haus der 67-jährige Irene R. gerufen. Er stellt den Tod der Frau fest. Im Totenschein macht er bei der Frage nach der Todesursache sein Kreuzerl bei „nicht geklärt“ oder „nicht natürlich“. Warum, das ist noch nicht geklärt.

Daraufhin rückt die Polizei an. Sie führt ein weiteres Mal eine Leichenschau durch und kommt dabei zu einem überraschenden Schluss. „In dem Rahmen ist aufgekommen, dass die Dame noch atmet“, heißt es bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Augsburg.

Irene R. lebt also noch. Eilig wird sie in ein Krankenhaus gebracht. Wie es ihr geht war am Freitag nicht zu erfahren.

Die 67-Jährige lebte in einem gepflegten Anwesen mit großem Garten im östlichen Landsberg am Lech. Die Rolläden sind am Freitag heruntergelassen. Das Haus wirkt verwaist.

Eine Nachbarin will sich auf AZ-Anfrage zu dem tragischen Vorfall nebenan nicht äußern. Nur einen Satz verliert sie über die Familie von Irene R.: „Für diese armen Menschen sollte man beten.“ Was sie damit sagen will? Sofort ist da wieder eine Mauer aus Schweigen.

Den Arzt, gegen den die Staatsanwaltschaft nun ermittelt, erreicht die AZ auf dem Handy. Winfried F. wirkt beim Gespräch gelassen und selbstsicher. Er scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein. Zum laufenden Verfahren will er sich nicht äußern. Er deutet jedoch an, dass hinter der Geschichte noch mehr stecke als das bisher Bekannte.

Genau das werden die Ermittlungsbehörden jetzt untersuchen. Hätte der Arzt der Frau noch helfen können? Warum ist er davon ausgegangen, dass die Todesursache ungeklärt oder gar unnatürlich war? Eine Geschichte mit vielen Fragezeichen.

Julia Lenders, Sebastian Müller

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