Gruß vom Rand Chinas
Akbar Abliz stammt aus der chinesischen Uiguren-Provinz Xinjiang. Wie sich in seinem Lokal zeigt, funktioniert die Welt dort ein bisschen anders.
Der Weg zum Uiguren führt durch einen Dönerladen. Vorbei an Kebabspieß, Kühlschrank und kleiner Küche gelangen die Gäste über eine Treppe in das fernöstliche Restaurant im Obergeschoss. Breite Fensterfronten geben dort den Blick frei auf die Elisen- und die Dachauer Straße, an deren Kreuzung sich nach einem uigurischen Imbiss nun seit wenigen Monaten auch das erste richtige uigurische Lokal Münchens befindet.
Akbar Abliz, Besitzer und Küchenchef in Personalunion, arbeitet seit 20 Jahren als Koch. Er begann damit in seiner Heimat Xinjiang, dem autonomen Gebiet der Uiguren im Westen Chinas. Danach ging er nach Kirgisien und anschließend arbeitete er in Schweden – in einem Dönerladen.
Abliz träumte von einem eigenen Restaurant, und weil es in München viele Uiguren und Chinesen gibt, wie er sagt, fiel seine Wahl auf diese Stadt. Den Dönerverkauf hat er gleich mitübernommen, das Angebot kurzerhand um uigurische Spezialitäten erweitert und dem Ganzen den Namen seiner Heimatstadt gegeben: „Kashgar”.
In seinem etwas kargen Restaurant mit dem hellen Fliesenboden und den Lampen aus Reispapier tragen die Wände das gleiche Grün wie die Polohemden der Belegschaft. Die Speisekarten sind auf Deutsch und Chinesisch geschrieben. Im Angebot sind Suppen, Vorspeisen, vegetarische und Fleisch-Gerichte.
Manches könnte man auch im China-Restaurant finden, wie etwa Wok süß-sauer (8,40 Euro). Anderes ist speziell uigurisch. Der Unterschied: Die Uiguren essen mehr Lamm und Rind als die Chinesen, dafür aber kein Schweinefleisch, weil die meisten von ihnen Moslems sind. Und sie verwenden andere Gewürze, wie etwa Kreuzkümmel.
So gibt es im Kashgar typisch uigurische Lammspieße (2,50 Euro/Stück) „Lägman”, ein Gericht aus dicken, hausgemachten Nudeln mit Gemüse und Fleisch (6,90 Euro), oder „Dapanji”, mit Hähnchenfleisch, Kartoffeln, Gemüse und Nudeln (8,90 Euro).
Auf jedem der Tische, über die sich zwischen weißer Damastdecke und Plastiküberwurf bunte uigurische Brautschals aus Seide schlängeln, Mitbringsel aus der Heimat des Hausherrn, steht ein Töpfchen mit „Yagh Laza”, einer weiteren uigurischen Spezialität. Diese rote, scharfe Paste bestehe aus gebratener Schafsbrühe und Knoblauch und könne zu allen Gerichten gegessen werden, sagt Abliz. Zu trinken gibt es unter anderem uigurischen Tee (3 Euro). Der ist grün oder schwarz und wird mit Gewürzen, ähnlich denen im indischen Chai, verfeinert.
Dachauer Straße 4, Mo. bis So. 9–23 Uhr, Tel. 99 94 06 68
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