Geschüttelt und gerührt: Münchner Barkeeper geben Tipps für den perfekten Silvester-Cocktail

München - Klar, ein Sekterl um Mitternacht darf schon sein; er ist das Silvestergetränk schlechthin. Aber was gibt's vorher für die Gäste der Party oder zum Dinner for one Anschauen, was passt am besten zum Raclette oder Fondue? Vielleicht ein Sherry zur Suppe, wie Miss Sophie? Die AZ hat sich Rat von Experten geholt.
Gin Fizz: Zitronensaft und Selters auf den vollen Magen
Roland Barics (47) ist Mitinhaber der Mixkultur Destillerie GmbH und Edelbrandsommelier. Er und sein Geschäftsführer-Kollege Guillermo Schedler verkaufen und destillieren Schnaps und geben Cocktailkurse in München.

Besonders empfehlen kann Barics zu Silvester zum Beispiel einen Gin Fizz. "Gin ist nach wie vor ungeschlagen", weiß der Barmann. Gemixt wird der Drink mit frischem Zitronensaft, Zuckersirup, Gin und Sprudelwasser; ganz ähnlich dem Tom Collins. Barics: "Den kennt aber fast keiner. Aber wer ihn probiert hat, hat ihn wahrscheinlich bald als Lieblingsgetränk."
Die Zutaten sind die gleichen wie beim Gin Fizz, nur die Wassermenge ist eine andere. Aber dennoch besonders erfrischend, gerade nach einem schweren Raclette also gut geeignet – und ohne aufwendige Zubereitung, denn die Zutaten kommen samt Eis in den Shaker, kurz schütteln und schon ist der Drink in der gewünschten Menge quasi fertig.
Dry January: Kein Alkohol im Januar?
Von schweren Drinks rät Barics eher ab, weil das Essen meist üppig ist. "Die Zitrone erfrischt und hat Vitamine, das passt Silvester besser", weiß der Barmann. Nach dem Neujahrsfest geht es trendtechnisch direkt weiter: der Dry January (zu deutsch: trockener Januar). Die Leute machen also vier Wochen Alkoholpause.
Seit 2014 produziert die Mixkultur deshalb auch alkoholfreien Gin. "Der Absatz ist enorm gestiegen. Waren es zuerst nur ganz kleine Mengen, haben wir das Zeug in der Coronapandemie palettenweise verkauft. Die Leute trinken bewusster", erklärt Barics.
Barroom: Münchens kleinste Cocktailbar
Für bewusstes Trinken und vor allem den Genuss setzt sich auch Emanuele Ingusci (49) ein. Er ist Inhaber des Barroom – nach eigenen Angaben mit 36 Quadratmetern Münchens kleinste Cocktailbar.
Seit 15 Jahren bedient Ingusci dort seine Gäste. Zuvor hat der gebürtige Italiener deutschlandweit in Bars gearbeitet. Sein Konzept im Barroom: Cocktails aus der Zeit von 1800 bis 1945 anbieten. Im Hintergrund läuft Jazz oder Swing. Die Karte ist unterteilt in verschiedene Klassiker, er hat rund 80 Sorten Rum im Sortiment und mischt die Cocktails einzeln, meist direkt am Tisch bei seinen Gästen. "Ich pflege eine alte Barkultur, so wie früher. Hier ist alles sehr familiär und kommunikativ", sagt Ingusci.

Großartige Drinks mit wenig Schnickschnack
Regelmäßig gibt der gelernte Hotelfachmann auch Cocktailkurse. Für die AZ hat er Rezepte auf Lager, die gut zu Silvester passen, nicht ein ganzes Arsenal an Zutaten erfordern und auch keiner weiteren Gerätschaften bedürfen. Alle Drinks können in Tumblern, also Whiskygläsern gereicht werden. Ein kleiner Messbecher macht die Dosierung leichter.
Bei Ingusci gibt es keinen Piña colada. Der passe sowieso nicht zu Silvester, findet er: "Danach bin ich satt. Dann lieber vorher einen Aperitif, mit Bitter. Der regt den Appetit an. Das steckt schon im Wort Aperitif. Aperire aus dem Lateinischen bedeutet öffnen. Es öffnet sozusagen den Magen", erklärt der Barkeeper.
Eine Prise Salz auf dem süßen Cocktail: Schmeckt tatsächlich
Für den Silvesterabend empfiehlt Ingusci als Aperitif einen Lucano Paloma. Basis ist im Barroom der italienische Kräuterlikör Amaro Lucana – ein ganz normaler Bitter, wie Ingusci sagt.
Gemischt wird der mit Limetten- und Grapefruitsaft. Oben auf das Eis streut Ingusci eine Prise Salz. "Das ist anregend. Der Drink selber ist fruchtig, aber nicht zu süß", sagt der Barkeeper. Das kann auch die AZ bestätigen. Fruchtig ja, wirklich süß nein. Sehr süffig, sicher auch nach acht Schaufeln Raclette.
Ein leuchtender Klassiker: Americano
Ein Klassiker laut dem Wahlmünchner ist der sogenannte Americano. Dafür gießt Ingusci Campari und Wermut in ein Glas, rührt um und füllt das Ganze mit Soda (Sprudelwasser in der Barsprache) auf. Dann noch mal umrühren. "Immer mit Gefühl rühren, besonders wenn mit kohlensäurehaltigen Getränken gemischt wird. Am besten mit einem Latte-macchiato-Löffel, den hat eigentlich jeder zu Hause", sagt der Fachmann. Im Anschluss nimmt Ingusci eine Orangenzeste zur Hand, drückt sie über dem Drink aus und streicht damit über den Glasrand. Dann rein damit. "Wenn ich eine ganze Orangenscheibe dazu gebe, könnte ich gleich mit Saft aufschütten. So habe ich die Öle der Frucht und mehr Aroma", so der Italiener.
Der Drink ist herb und eignet sich ebenfalls als Aperitif. Durch den Campari leuchtet er rot und ist schon deshalb ein optisches Schmankerl.
Dessert und Drink in einem
Am einfachsten zu machen ist der spritzige Passion Prosecco. Dafür nimmt Ingusci das Fruchtfleisch einer halben Maracuja und gibt es in eine Sektschale. Dann mit Prosecco, Champagner oder Crémant aufgießen. Die andere Hälfte der Maracuja bestreut der Barkeeper mit Zucker, legt sie in eine kleine Schale und gießt auch die mit Prosecco auf. "Einen Löffel dazu reichen und mit dem Drink servieren. So macht das Ganze gleich viel mehr her", findet Ingusci.
Am wichtigsten findet der Barmann aber: "Qualität vor Quantität. Lieber einfach genießen."
Americano: Der Klassiker

Zutaten: • 3 cl Campari • 3 cl Wermut • ein Schuss Soda • Orangenzeste • Eiswürfel
Zubereitung: Den Campari und den Wermut abmessen und zusammen in ein Glas mit Eis gießen. Danach mit einem langstieligen Löffel vorsichtig umrühren. Einen Schuss Soda dazu geben, noch mal zart umrühren. Im Anschluss eine Orangenzeste über dem Glas ausdrücken, am Glasrand reiben und dann verzwirbelt in das Glas geben. Schmeckt herb und frisch.
Lucano Paloma: Der Aperitif

Zutaten: • Saft einer halben Limette • Amaro Lucano • Grapefruitsaft • Eiswürfel • Prise Salz • Limettenzeste
Zubereitung: Zuerst die Limette in ein Glas mit Eiswürfeln ausdrücken (etwa 1 bis 1,5 cl). Anschließend 5 cl von dem Amaro Lucano (italienischer Bitterlikör) auf den Saft geben und leicht umrühren. Dann mit Grapefruitsaft aufgießen und nochmals vorsichtig umrühren. Anschließend behutsam eine kleine Prise Salz auf den Drink geben. Die Limettenzeste über dem Glas ausdrücken, am Glasrand reiben und dann verzwirbelt ins Getränk geben.
Passion Prosecco: Der Spritzige

Zutaten: • eine Maracuja • Prosecco • etwas Zucker
Zubereitung: Die Maracuja halbieren und das Fruchtfleisch einer Hälfte in eine Sektschale geben. Die andere Hälfte in eine kleine Schüssel legen und mit Zucker bestreuen. Die Sektschale mit Prosecco, Champagner oder Crémant aufgießen. Fertig ist der Passion Prosecco. Die Maracuja mit Zucker mit einem Löffel servieren. Die Frucht kann zum Getränk ausgelöffelt werden. Eignet sich gut zum Anstoßen