Der Zanderkönig von Giesing

Der 28-jährige gelernte Brauer und Mälzer ist seit fünf Jahren Mitteilhaber der „Giesinger Biermanufaktur“ in Untergiesing.
Von Flo Sommer
Dass die Vorweihnachtszeit bei uns in der Giesinger Biermanufaktur die stressigste Zeit überhaupt ist, glaubt mir keiner. Ein kühles Bier verbindet man eher mit einem schönen Sommertag. Wahrscheinlich liegt’s an unserem Weihnachtstrunk, einem Weißbier-Bock mit Zimt, Mandarine und Nelkenaromen – ich denke, das verschenken die Leute gern, wenn sie etwas Ausgefallenes suchen.
Außerdem sind wir auf dem Weihnachtsdorf in der Residenz vertreten, da ist mein Partner Steffen Marx gerade.
Unter der Woche fange ich meist um 9 Uhr an zu arbeiten. Unsere kleine Kellerbrauerei liegt schräg gegenüber von meiner WG, ich hab’s nicht weit. Dann schaue ich nach dem Rechten, begutachte die Gärung vom Vortag, messe die Stammwürze nach, solche Dinge. Wir füllen die Flaschen auch per Hand ab und etikettieren sie, jede Menge zu tun also. Und jeden Tag kaufen Leute bei uns ein, und denen erzählen wir ein bisschen, was wir hier so machen.
Mittags gehe ich entweder heim, um zu kochen, oder wir schicken einen Praktikanten los: In der Hans-Mielich-Straße ist die Metzgerei Wachter. Die schmeißen drei Damen inklusive der Frau Wachter, eine echte Koryphäe, sehr direkt und sarkastisch. Immer ein Erlebnis, da einzukaufen.
Klassischerweise gibt’s von da eine Leberkassemmel, aber mir schmeckt das seit Neuestem einfach nicht mehr. Keine Ahnung, was da los ist. Mit Weißwürsten ist es das Gleiche. Wenn wir also jetzt vor der Arbeit noch einen Abstecher in die Gaststätte Großmarkthalle zum Weißwurstfrühstück machen, bestell’ ich Wiener oder Debreziner. Die Kulisse dort ist trotzdem toll, traditionell münchnerisch, viele Handwerker.
Wenn heute ein Handwerker mit seinem Blaumann in der U-Bahn fährt, wird der ja fast schon belächelt. Das finde ich traurig.
Hier in Untergiesing sind sehr gemischte Leute unterwegs, man kennt sich und grüßt sich auf der Straße. Wie ein Dorf mit U-Bahn-Anschluss. Manchmal gehen wir mittags auch ins Maibaumstüberl ums Eck, eine klassische Boazn mit Wohnzimmeratmosphäre. Da sitzen die Älteren beim Schafkopfen beisammen und der Inhaber Erich ist ein gelernter Metzger, der weiß einfach, wie man Fleisch zubereitet. Was Vegetarisches hat er aber auch auf der Karte. Schmackhaft und preisgünstig. Sechzger-Spiele dort zu schauen, macht auch Spaß.
Wenn ich am Wochenende mit meinen Spezln ausgehe, glühen wir meistens bei mir vor – ich habe einen Flipper im Zimmer. Dann geht’s in die eher alternativeren Läden. Die Kellerbar vom Charlie in der Schyrenstraße ist zum Beispiel toll, auch das Kong in der Prielmayerstraße gefällt mir – und ins Art Babel am Hauptbahnhof will ich auch bald reinschauen.
Das Schönste ist es aber, an einem freien Tag rauszufahren. Meine Leidenschaft ist das Angeln, seit mich mein Cousin als kleinen Bub mitgeschleppt hat. In der Pampa sitzen und die Natur genießen. Und spekulieren, warum sie nicht beißen. An einem guten Tag bringe ich einen Fisch heim und bereite den für meine Freunde zu: Man nennt mich auch den Zanderkönig.