Drei Mal pro Woche, seit 15 Jahren: Stammgast erzählt, wie es in der Geyerwally zugeht

München - Dieter Ullrich muss gar nichts mehr sagen, die Kellnerin weiß sowieso schon, was er will. Nicht lange, und der 69-Jährige hat ein Glas Giesinger an seinem Stammplatz am Tresen vor sich stehen. Seit rund 15 Jahren ist der Münchner regelmäßig Gast, erzählt er. Momentan kommt er im Schnitt drei Mal pro Woche in die traditionsreiche Kneipe, die am Wochenende ihr 66-jähriges Bestehen feiert.
Viel verändert hat sich in den Jahren seit Ullrichs erstem Besuch nicht, sagt der Rentner und blickt sich um. Fast jeder Zentimeter der Wände in dem kleinen Raum ist tapeziert mit bunten Stickern, Postern oder Emaille-Schildern. Freizügige Pin-up-Mädchen zieren ebenso die Wände wie alte Werbung für Schuhcreme oder ein Elvis-Presley-Plakat.

Das Innenleben des Geyerwally: "Vieles stammt noch vom alten Wirt"
Wie ein liebevolles, gemütliches Durcheinander wirkt die Deko. "Vieles vom Interieur stammt noch vom alten Wirt Rainer Strixner", erinnert sich Ullrich. Der sei Künstler gewesen und habe ein wahres Sammelsurium an Kuriositäten besessen, mit denen er seine Kneipe ausstattete.
Dass Ullrich sich vor 15 Jahren überhaupt in die Geyerwally traute, ist nicht selbstverständlich – obwohl er seit über 30 Jahren in unmittelbarer Nähe wohnt. Doch früher war die Kneipe als "Genickschuss-Bar" verschrien, wie Ullrich es nennt. Der einstige Wirt soll bereits morgens Schnaps getrunken haben und so betrunken hinter dem Tresen gelegen haben, dass die Gäste sich selbst bedienen konnten. Ein Bekannter erzählte Ullrich einmal, dass er schon mit acht Jahren dort seinen ersten Rausch gehabt habe.
Für sein Engagement bekam der Geyerwally-Wirt einen AZ-Stern
Wenig verwunderlich, dass Ullrich also, als er vor 15 Jahren den ehemaligen Wirt Strixner auf der Auer Dult traf und von ihm in die Geyerwally eingeladen wurde, erst verhalten reagierte. Doch Strixner überredete ihn und Ullrich stellte fest: Das schlechte Image traf nicht mehr zu. "Es waren doch ganz nette Leute da."
Dabei ist es geblieben, auch mit dem neuen Wirt Maximilian Heisler, der die Geyerwally im Jahr 2015 übernahm. Heisler war eine Zeitlang als junger Mann der wohl bekannteste Mieteraktivist der Stadt, hat für sein Engagement sogar einen AZ-Stern bekommen. Inzwischen ist er vor allem Wirt. Und offenbar ein sehr beliebter.
Mit 66 Jahren fängt das Leben an – doch gilt das auch für die Geyerwally?
Seit Heisler die Geyerwally übernommen hat, sei die Stimmung sogar besser geworden als eh schon, weil mehr los sei, meint Ullrich. Und das Klientel ist jünger geworden, "aber das ist ja nichts Schlimmes". Im Gegenteil, Ullrich war früher Berufsschullehrer und genießt es nun, sich auch im Ruhestand noch mit jungen Leuten austauschen zu können.
Die feiern hier gerne und ausgiebig, fernab von jedem Glockenbach-Schnöseltum. Nun wird also das 66-jährige Jubiläum groß gefeiert. Unüblich, einerseits. Andererseits; halt auch ein Grund, zu feiern. Und wer weiß, ob man den 70. noch erlebt. Die Geyerwally ist schließlich in einem leerstehenden Abbruchhaus – und wird wohl nicht ewig weitermachen dürfen.
Die Gespräche sind für Ullrich das Schönste an der Geyerwally
Der 69-Jährige auf jeden Fall wird sich auch diesen Samstag unter viele junge Menschen mischen. Manchmal gibt er hier auch den ein oder anderen Tipp fürs Leben – zum Beispiel an Lehramtsstudenten: "Das hab ich ja selbst alles hinter mir." Überhaupt sind die Begegnungen und Gespräche für Ullrich das Highlight an seinen Besuchen in der Geyerwally.
"Ich habe hier schon viele kennengelernt, die es in meinen Freundeskreis geschafft haben." Ullrich fühlt sich in der Kneipe einfach wohl, wie er sagt. Das Geheimnis dahinter? Für Ullrich sind Wirt und Mitarbeiter diejenigen, die den Laden so gut am Laufen halten.
Selbst Bastian Schweinsteiger weiß, wo die Geyerwally ist
Ärger gibt es in der Geyerwally nie, sagt er. Das einzige Thema, das ab und zu für Zündstoff sorgen könnte, ist Fußball. Ullrich ist Bayern-Fan, Wirt Heisler ein Blauer. Eine Zeitlang habe man sich da schon gerieben, "aber auf liebevolle Art". "Da drüben, sagte ich zu Bastian Schweinsteiger, ist die Geyerwally". Fußballspiele werden in der Kneipe sowieso nicht gezeigt, mit einer Ausnahme: Das WM-Finale 2014 hat man hier geschaut. Für Ullrich war das eines der schönsten Erlebnisse in der Geyerwally.
Nach dem Schlusspfiff, als die Spieler den Pokal in die Höhe reckten, strömten die Gäste nach draußen auf die Geyerstraße. Ullrich zeigt auf eine Lücke zwischen den Häusern gegenüber: Genau dort schien damals der Mond hindurch. "Ich wäre gern länger geblieben, aber ich hatte am nächsten Morgen schon um halb acht Dienst."

Live-Musik und Spendenaktion: Am Samstag wird im Hinterhof gefeiert
Dafür traf er wenig später Bastian Schweinsteiger an der Aral ein paar Meter weiter, bedankte sich bei ihm für den Triumph. Der Sportler habe ihn sogar gefragt, wo er denn gefeiert habe. "Direkt da drüben, in der Geyerwally", antwortete Ullrich. Wo sonst?
Beginn ist um 13 Uhr an der Geyerstraße 17. Bis 22 Uhr sorgen mehrere Bands und Künstler für Live-Musik, darunter die Express Brass Band, die Unterbiberger Hofmusik und Queen Lizzy. Wer neben dem Feiern, Essen und Trinken etwas Gutes tun will, kann sich an einer Spendenaktion beteiligen. Auch für die Kleinen ist etwas geboten: Von 14 bis 18 Uhr gibt es Kinderschminken mit dem Team von Schminkwunder.