Chansons gegen den Plüsch

„Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten. Volumen 6“ im Lustspielhaus
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Sie zeigen es nicht nur den Naseweisen und IT-Freaks: Chansonier Pigor und Pianist Benedikt Eichhorn.
Lustspielhaus Sie zeigen es nicht nur den Naseweisen und IT-Freaks: Chansonier Pigor und Pianist Benedikt Eichhorn.

„Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten. Volumen 6“ im Lustspielhaus

Pigor, Eichhorn und der Ulf, das ist das, auf die Chansonbühne heruntergebrochene, Minimalmodel unserer Gesellschaft. Pigor tritt, Eichhorn wird getreten, und der Ulf, stiller Electro-Sound-Knöpfchenschrauber am High-Tech-Apparat, lehnt sich zurück mit dem Wissen des Technologiezivilisierten, dass er immerhin an den Steuerhebeln sitzt – vom einen bezahlt, vom anderen demütig-neidvoll belauert. Dennoch, seit 1995 sind Pigor und Eichhorn ein Kabarettpaar, das, schon 1999 für den Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet, in einer einzigartigen Unterhaltungssymbiose durch die Republik tourt. 2006 gab es dann den Österreichischen Kabarettpreis.

„Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten.Volumen 6“ heißt das Programm, mit dem die Drei bis Donnerstag im Lustspielhaus gastieren. Und wer ihnen Chanson-Kabarett unterstellt, darf dabei nicht in Versuchung kommen, ihre Kunst mit plüschigem Klavier-Entertainment zu verwechseln. An Thomas Pigors Stirn haftet das Haar mit caesarischer Grazie. Und im Laufe des Abends steigert sich dieser lyrische Feldherr in eine Raserei, als müsse er persönlich das moderne Leben in Grund und Boden singen. Dass Pigor in Würzburg Chemie studierte, bevor er ins Kabarettgewerbe überwechselte, mag seinen Sinn für feinstoffliche Zusammenhänge dieser Welt geschärft haben.

Pigors Privat-Rebellion

Letzte Großtat der Drei ist der Rap-Song „Nieder mit IT“. Kabarettisten hat man schon viele rappen sehen, doch die Homeboy-Pose ist meist so ungelenk, wie die, dem braven Endreim verpflichteten Zeilen. Allein der Pigor, er rockt sich zur eigenen Privat-Rebellion, an deren Ende das aufgepeitschte Publikum aufsteht, und, „Nieder mit IT!“ skandierend, der Diktatur des Digitalen die Faust entgegenreckt. Das schafft nur, wer zündende Lines hat: „Ja, ja ich weiß Herr Naseweis, es gibt in meinem Browser diesen Pop Up Stop Button / Der dieses bekloppte Aufploppen unterbindet. / Wenn man diesen Button denn findet! / Genau diese Art von Nötigung seh ich nicht ein!“, brüllt der Pigor. Und der Benedikt Eichhorn weiß sich einig mit der Meinung des Meisters und steht mittlerweile auf dem Klavierhocker.

Christian Jooß

Lustspielhaus, Occamstraße 8, bis Donnerstag, 20.30 Uhr, Eintritt: 20 Euro, Tel. 344974, www.lustspielhaus.de

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