Besuch in München: Andreas Scheuer feiert die Donnersbergerbrücke
München - Es ist Montagmorgen, der Himmel ist eine einzige graue Suppe und es nieselt leicht. Trotzdem hat der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sein Sonntagsgesicht aufgelegt. In dunkelblauem Mantel, bunt-gestreiften Schal steht er an einem der S-Bahn-Aufgänge der Donnersbergerbrücke.
Hier am Bahnhof, eigentlich ist es eine simple Haltestelle, sei durch kleinere Maßnahmen "eine große Attraktivitätssteigerung" erreicht worden.
Donnersberger Brücke: Was ist eigentlich neu?
Es ist zunächst nicht leicht, in dem zusammengestöpselten Bau aus den 70er Jahren diese neue Attraktivität festzustellen. Aber der intensive Geruch von frischer Farbe lotst einen den Treppenaufgang nach oben. Dort steht ein Mann, weiße Arbeiterhose, auf einer Holzleiter und kümmert sich mit der kleinen Farbrolle um Feinheiten. Etwas weiter knien zwei Kollegen auf Malervlies und streichen die massiven Stahlträger im Gang anthrazit.

Die Donnersbergerbrücke ist einer von über zehn Bahnhöfen in München, der mit Geld aus dem Konjunkturprogramm "Sofortprogramm für attraktive Bahnhöfe" des Bundesverkehrsministeriums bis Jahresende aufgehübscht wird.
Der S-Bahnsprecher wählt große Worte
400.000 Euro fließen in die Verschönerung dieser Stationen. Deutschlandweit hat Scheuers Ministerium 2021 120 Millionen Euro in die Hand genommen. In 1.000 kleineren und größeren Bahnhöfen im Land wurden die Wände gestrichen, Mülleimer ersetzt, Bänke aufgestellt oder der Wetterschutz verlängert.
Der Bahn-Sprecher für Bayern, Klaus-Dieter Josel, eigentlich wirkt er bedächtig, wählt ebenfalls große Worte: "Die Aufenthaltsqualität" für die 55:000 Reisenden pro Tag habe sich deutlich verbessert, sagt Josel. Die Gänge wirkten jetzt deutlich heller und freundlicher.
Aufenthalt ist hier eigentlich nicht vorgesehen
Welcher Aufenthalt? Die Donnersbergerbrücke ist eine reine Durchgangsstation. Im gesamten Bau gibt es keine einzige Bank und der Bäcker am Eingang bietet nur Mitnehmware an.
Die Bahn-Projektleiterin, Frauke Kracker, zeigt jetzt auf die stylischen schwarz-weißen Fliesen mit grafischem Muster, die jetzt den Aufgang säumen. "Davor waren das noch die gelben aus den 70ern", sagt Kracker. Sie läuft in die kleine Halle. "Neue Lichter mit LED-Lampen an der Decke", neue Handläufe und im Mittelgang haben die Handwerker eine neue Zwischendecke eingezogen.
Aber am Bahnsteig selbst wurde nichts gemacht.
Scheuer antwortet auch, wenn er nicht gefragt wird
Und die Reisenden? An diesem Morgen strömen sie zügig um die kleine Expedition herum. Fahrgäste in München sind derzeit leidgeprüft: Sperrung der Stammstrecke, Signalstörung, verpasster ICE am Bahnhof. "Es stimmt natürlich, dass wir da besser werden müssen", sagt Bahn-Sprecher Josel.

Aber genau das versuche der Konzern zu erreichen; über den Ausbau der Stammstrecke, neue Fahrzeuge. Und das neue Stellwerk am Ostbahnhof, das Mitte 2023 in Betrieb genommen werden soll - das alte sei für viele der Störungen im S-Bahn Betrieb ursächlich. "Wir müssen das alles machen", sagt Josel, "aber dürfen das andere deshalb nicht lassen." Und meint damit die Ausbesserungsarbeiten an den Bahnhöfen.
Scheuer, der auch antwortet, wenn er nicht gefragt wird, sagt zu den S-Bahn-Verspätungen, er könne sich da jetzt "ganz geruhsam hinstellen", dafür sei nämlich die Stadt zuständig.
Es sei das Los des Verkehrsministers, fügt er larmoyant hinzu, dass er "öffentlich immer für alles verantwortlich gemacht werde". Dieses Vergnügen trete er nun gerne an Anton Hofreiter ab. Der grüne Bayer wird als möglicher Verkehrsminister der Ampelkoalition gehandelt. Für Scheuer ist die Zeit der großen Infrastrukturprojekte vorbei, auch das zeigt der Begutachtungstermin "Sofortprogramm für attraktive Bahnhöfe" an der Donnersbergerbrücke.