Ausstellung zur Clubkultur im Stadtmuseum: Die Kraft des Nachtlebens

Eine neue Ausstellung im Stadtmuseum widmet sich der Münchner Clubkultur von 1945 bis heute.
von  Annette Baronikians
Das Atomic Café in der Neuturmstraße war für viele Münchner eine Art zweites Wohnzimmer.
Das Atomic Café in der Neuturmstraße war für viele Münchner eine Art zweites Wohnzimmer. © Annette Baronikians

München - Was hätte man 1985 dafür gegeben, so eine Eintrittskarte zu bekommen! Äußerlich ganz schlicht in schwarz-weißem Rauten-Design, doch mit großer Überraschungsgarantie. Schließlich war der Absender kein Geringerer als Freddie Mercury.

Am 5. September 1985 feierte der Queen-Frontmann im Münchner Club Old Mrs. Henderson in der Müllerstraße mit einem "Black and White Drag Ball" seinen 39. Geburtstag. Einen Eindruck, wie extravagant und ausgelassen, vorsichtig formuliert, diese Party war, gibt das Musikvideo zu Freddies Song "Living on my own". Das wurde gleich nach dem Fest mit den Gästen in ihren Kostümen als Dragqueens, Maria Stuart oder Queen Elizabeth gedreht - und ist ein Zeitdokument, das es jetzt auch ins Museum geschafft hat: ins Münchner Stadtmuseum.

Freddy Mercury feierte gern im Glockenbachviertel.
Freddy Mercury feierte gern im Glockenbachviertel. © Annette Baronikians

Ausstellung  "Nachts. Clubkultur in München" im Stadtmuseum

Dort gibt es ab diesem Samstag, 24. Juli, eine ganz besondere Ausstellung zu sehen. Der Titel "Nachts. Clubkultur in München". Zu dieser gehört das einstige Old Mrs. Henderson ebenso wie der legendäre Hot Club im ehemaligen Lagerkeller des Augustinerkellers oder das Big Apple in der Leopoldstraße, wo Stars wie Jimi Hendrix auftraten.

Die bunte Schau nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf einen Streifzug durch die Münchner Nacht. Faszinierende Objekte, atmosphärische Installationen und Fotos aus acht Jahrzehnten dokumentieren das Nachtleben von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart und machen die Clubkultur erlebbar - nicht zuletzt in einem dunklen runden Raum, wo es dröhnt und glitzert.

Erinnerungsstücke aus Jahrzehnten gibt's auch zu sehen.
Erinnerungsstücke aus Jahrzehnten gibt's auch zu sehen. © Annette Baronikians

Verloren geglaubte Orte kehren zurück

"Besonders in München, der Stadt der Hochkultur und schönen Künste, findet die subversive Kraft der Nacht oft nur wenig Beachtung und Raum", sagt Ausstellungskuratorin Ursula Eymold der AZ beim Rundgang. "Dabei geben die Nuancen des Münchner Nachtlebens der Stadt ihr Kolorit."

In der Ausstellung kehren verloren geglaubte Orte zurück: der Kunstpark Ost, das Terminal Eins oder das 2015 zugesperrte Atomic Café. Dessen Hauptraum wurde quasi re-inszeniert mit Original-Einrichtung samt DJ-Pult, Bühne, Knautschlacksofas, Paillettenvorhang und Lavalampen. Vom Atomic Café stammt auch der Eingang der Ausstellung, der erstmal zu ist, wenn man sich nähert. Doch dann öffnen sich die Türen plötzlich automatisch.

"Wir freuen uns über jeden Besucher"

Anders als etwa die legendär harte Auslese-Tür des P1. "Wir freuen uns über jeden Besucher", sagt Eymold lachend. Die können sich auch an Erinnerungsstücken im Wandel der Zeit erfreuen, wie Schlaghosen, Disco-Kleidchen oder Leder-Monturen, unzähligen Plakaten, die Münchner Auftritte von internationalen Stars und Lokalgrößen ankündigen, oder Eintrittskarten und Einlass-Stempel (auch gefälschte!).

"Nachts" ist eine Ausstellung zwischen Dokumentation und Erlebnis. Eine Schau, die für Nostalgie sorgt, Alt und Jung Spaß macht, aber auch den bitteren Aspekt nicht auslässt, in welch prekärer Situation sich die Clubkultur in diesen (Corona-)Zeiten befindet.


"Nachts. Clubkultur in München" bis 1. Mai 2022. Stadtmuseum, St.-Jakobs-Platz 1, Di - So 10-18 Uhr, Eintritt: 7 Euro

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