Antisemitismus gedeckt? Eine-Welt-Haus wehrt sich
Man habe rechtzeitig auf das Problem reagiert, heißt es nach dem Rückzug von Stadträten aus dem Beirat. Von antisemitistischen Inhalten distanziere man sich.
München - In einer Stellungnahme hat das Eine-Welt-Haus eingeräumt, dass ein Verein, der im Haus aktiv ist, antisemitische Inhalte auf seiner Homepage publiziert hat. Allerdings habe der Verein "Salam Shalom" diese Inhalte auf Aufforderung hin sofort entfernt und sich von antisemitischen Inhalten distanziert. Grünen-Stadtrat Dominik Krause hatte diese Woche in der AZ seinen Rückzug aus dem Beirat des Hauses erklärt. Auch CSU-Stadtrat Marian Offman zog zurück.
Die Flüchtlingsunterstützer von der Karawane verlassen das Eine-Welt-Haus ebenfalls nach vielen Jahren. Der Grund: auch hier der Umgang mit Antisemitismus im Haus. Ob es das Problem im Eine-Welt-Haus wirklich gibt, da gehen die Meinungen freilich weit auseinander.
Die Mitgliederversammlung des Hauses hat sich auf jeden Fall klar hinter Salam Shalom gestellt und sich geweigert, weitere Konsequenzen zu ziehen. In der Erklärung des Hauses wird betont, es handele sich um eines von 62 Mitgliedern im Haus. Und: Salam Shalom habe sich ausdrücklich von antisemitischen Inhalten distanziert.
Eine-Welt-Haus zeigt sich entsetzt
Das Eine-Welt-Haus wünsche sich, "wieder in seiner Vielfalt" wahrgenommen zu werden. Nerit Sommerfeld ist im Umfeld von Salam Shalom aktiv. Sie zeigte sich im Gespräch mit der AZ entsetzt von den Vorwürfen durch Dominik Krause.
"Der Verein hat niemals gesagt, dass Holocaust-Zahlen hochgerechnet werden", sagte sie. "Antisemiten gehört eins vor den Latz geknallt – und zwar so richtig. Uns Antisemiten zu nennen, ist verleumderisch, Ich habe einen israelischen Pass, ich weiß, was Antisemismus ist, ich habe ihn erlebt."
Sommerfeld weiter: "Alles, was mit Kritik an Israel zu tun hat, wird in eine antisemitische Ecke gestellt." Im Jahr 2016 hat das Eine-Welt-Haus 359.015 Euro Förderung von der Stadt bekommen.
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