2G im Weihnachtsgeschäft? "Das wäre eine Kröte"
München - AZ-Interview mit Bernd Ohlmann: Der Pressesprecher des Handelsverbands Bayern spricht im Namen von rund 20.000 Mitgliedsbetrieben.
AZ: Herr Ohlmann, in anderen Bundesländern gilt für den Handel schon 2G, also Einlass nur für Geimpfte und Genesene. Hat man das im bayerischen Handel gespürt? Hier gilt ja bisher nur eine flächenbezogene Höchstkundenzahl.
BERND OHLMANN: Kunden aus Thüringen, wo 2G gilt, sind am letzten Adventssamstag massenhaft nach Oberfranken rübergefahren und haben dort eingekauft, weil 2G dort nicht vorgeschrieben ist. Die Bilanz des ersten Adventssamstags fiel in Bayern deutlich besser aus als in Bundesländern, wo 2G schon herrscht.
Guter Auftakt für Weihnachtsgeschäft in Bayern?
Also für den bayerischen Einzelhandel ein guter Auftakt für das Weihnachtsgeschäft?
Das bedeutet nicht, dass der erste Adventssamstag für uns supertoll war. Er war deutlich von Corona gezeichnet und durchwachsen - kein Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten. Manche Händler haben gesagt, es sei besser gewesen als erwartet.

Droht bei Einführung von 2G für den bayerischen Einzelhandel der Absturz? Wäre es nicht besser, gleich dichtzumachen und Händlern noch einmal Ausgleich zu zahlen?
Mit 2G und Lockdown verhält es sich ein wenig wie mit Pest und Cholera. Trotzdem ist 2G immer noch "besser" als Lockdown. Die große Mehrzahl der Händler ist jedenfalls dieser Meinung. Man weiß ja nicht, wie lange ein solcher Lockdown anhalten würde. Im vergangenen Jahr begann der Lockdown am 16. Dezember und dann waren die Geschäfte bis Ende März/Anfang April geschlossen. Bei 2G wird die Hürde für Menschen zum Einkaufen nicht nur für Ungeimpfte höher gelegt, sondern auch für Genesene und Geimpfte. Gerade bei größeren Geschäften werden sich an Adventssamstagen Menschenschlangen bilden, weil Mitarbeiter akribisch die Genesenen- und Impfnachweise kontrollieren müssen. Ich weiß jetzt schon, dass wir den Ärger und den Frust der Kunden abbekommen werden.
2G nur in Hochinzidenz-Landkreisen?
Fallen diese Kontrollen den großen Geschäften leichter?
In kleinen Läden, die ihre Kunden sozusagen noch per Handschlag begrüßen, ist das vom Handling sogar noch einfacher als etwa in einem Baumarkt oder in einem Möbelhaus, wo gerade am Samstag viele Leute reingehen. Da staut sich das.

Was erwarten Sie denn für die nächsten Tage?
Die Frage ist, ob die Ministerpräsidentenkonferenz flächendeckend 2G beschließt oder - wie Ministerpräsident Söder es gesagt hat - die Länder das in Verordnungsform gießen können. Würde dann 2G nur in Hochinzidenz-Landkreisen eingeführt? Was bedeutet das für die Kundenbegrenzung? Wenn 2G kommt, dann aber bitte ohne die Zehn-Quadratmeter-pro-Person-Regel! Dann stünden ja noch mehr Leute draußen in der Kälte.
Söder hat bisher 2G im Handel ablehnend kommentiert. Kann er dabei bleiben? Was erwarten Sie?
2G wäre eine Kröte, eine bittere Pille, die wir schlucken müssten. Viele Händler hatten gehofft, dass das so wichtige Weihnachtsgeschäft einigermaßen normal abläuft. Das können wir uns jetzt natürlich abschminken. Aber es ist immer noch besser, als wenn uns die Politik jetzt die Rote Karte zeigen und wieder alles zusperren würde.