Vodafone greift mit Kabel-Übernahme Deutsche Telekom an

Im deutschen Markt für Telefonieren, schnelles Internet und Kabelfernsehen werden die Karten neu gemischt. Der Mobilfunkriese Vodafone steht vor der Übernahme des größten deutschen Kabelnetzes.
dpa |
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London/Düsseldorf - Der britische Konzern sicherte sich mit seinem milliardenschweren Übernahmeangebot eine komfortable Mehrheit von mindestens 75 Prozent bei dem führenden Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland. Nun fehlt nur noch grünes Licht der Wettbewerbshüter.

"Das war sicher die größte Hürde, die wir zu nehmen hatten", sagte ein Sprecher von Vodafone Deutschland am Freitag in Düsseldorf. Allerdings stehe noch die kartellrechtliche Freigabe aus. Zuständig ist die Europäische Kommission in Brüssel. Bis kommenden Freitag (20.09.) muss sie entscheiden, ob sie die Kabelübernahme freigibt - gegebenenfalls auch unter Auflagen - oder ob sie in eine vertiefte Prüfung vornimmt. Das Bundeskartellamt hatte in der Vergangenheit signalisiert, dass es keine massiven Bedenken in dem Fall hat.

Sollten die europäischen Wettbewerbshüter in Brüssel die geplante Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone im ersten Anlauf ohne Auflagen absegnen, könnte der Zusammenschluss innerhalb weniger Wochen über die Bühne gehen, wie in Branchenkreisen geschätzt wird.

Mit der Großinvestition greift Vodafone den Platzhirsch Deutsche Telekom frontal an. Das größte deutsche Kabelnetz bietet nicht nur für TV-Angebote ein erhebliches Potenzial. Es kann auch für den Ausbau von Festnetz-Telefonie und als Internetzugang genutzt werden. Durch die spektakuläre Übernahme von Mannesmann war Vodafone bereits vor mehr als zehn Jahren auch hierzulande Mobilfunkriese geworden.

Angesichts der neuen Herausforderung mahnt der Ex-Staatskonzern Deutsche Telekom Chancengleichheit an: "Die Kabelnetzbetreiber müssen niemanden auf ihre Netze lassen, wohingegen die Telekom voll reguliert wird", erklärte ein Sprecher der Deutschen Telekom in Bonn. Es müssten für alle gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen.

Bei dem Vodafone-Angebot wurde Kabel Deutschland inklusive Schulden mit 10,7 Milliarden Euro bewertet. Vodafone hatte insgesamt 87 Euro je Aktie geboten - inklusive einer Dividende von 2,50 Euro pro Anteilsschein. Die notwendige Mehrheit von 75 Prozent der Kabel-Deutschland-Aktien sei den Briten zum Kauf angeboten worden, teilte Vodafone am späten Donnerstagabend in London mit. Die genaue Zahl der angedienten Aktien werde am Montag (16.9.) veröffentlicht.

Aktionäre von Kabel Deutschland, die das Angebot noch nicht angenommen haben, hätten dazu noch zwischen dem 17. und 30. September Gelegenheit, hieß es in Mitteilungen von Vodafone und Kabel Deutschland. Die erste Frist, bei der die Mindestannahmeschwelle 75 Prozent galt, war am Mittwoch um Mitternacht ausgelaufen.

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