Teure Sünden
Asoziales Verhalten gibt es oben und unten in der Gesellschaft: Matthias Maus, AZ-Chefreporter, über den Sozialbetrug in Deutschland
Viel ist die Rede vom Wert der Arbeit in diesen Tagen, von Leistungen und von Leistungsträgern, von Leistungsverweigerern und -erschleichern. Eine wichtige Debatte ist das, nur braucht sie die richtige Tonart (die Guido Westerwelle nicht beherrscht) – und die richtigen Themen (an denen die Diskussion oft vorbeigeht).
Es ist schon seltsam: Die Republik ist auf der Palme, weil die Karlsruher Richter befinden, auch das Schulmäppchen des Hartz-IV-Kindes gehöre zum Existenzminimum. Vergleichsweise leise ist das Echo auf den Skandal, der sich am anderen Ende der sozialen Leiter abspielt.
Diskret outen sich täglich Menschen, die prima in dieser Gesellschaft leben, die für die Kosten aber nicht unbedingt voll zahlen wollten. Menschen, die nun, verschreckt von ein paar schimmernden CDs, doch noch Steuern zahlen wollen, entdecken – ja was eigentlich? Die Steuerehrlichkeit? Das schlechte Gewissen? Oder doch nur die Angst vor strafrechtlicher Verfolgung oder gar dem Gefängnis?
Kaum einer redet von Sozialbetrügern, wenn von dieser Klientel die Rede ist. Lieber ist von „Sündern“ die Rede, denen ja nach christlichem Verständnis dereinst vergeben wird. Es gibt nur Dunkelziffern, aber diese „Sünden“ kosten die Allgemeinheit Milliarden. Und man sollte keine Debatte über „Asoziale“ führen, ohne über diese gar nicht so rechtschaffenen Bürger zu reden.
Egal ob oben oder unten: Die Gesellschaft kann sich keine Sozialbetrüger leisten.
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