Pompöse Banalitäten
Warum wollte Westerwelle den Job als Außenminister? Anja Timmermann, AZ-Redakteurin, über Westerwelle und den Weltsicherheitsrat
Ob die FDP Guido Westerwelle noch als Parteichef haben will, ist zuerst einmal ihre Sache – jede Partei hat den Chef, den sie verdient; schließlich hat sie ihn gewählt. Ob Deutschland von einem Außenminister Westerwelle in den Chefsesseln der Erde, im Weltsicherheitsrat, vertreten sein will, ist schon ein anderes Thema.
Und da stellt sich wieder einmal – ganz nüchtern – die Frage: Was will er eigentlich mit diesem Amt als Außenminister? Mit „klaren Vorstellungen“ gehe er an die Aufgabe Weltsicherheitsrat heran, sagt er. Nämlich: „Nachdrücklich für die Suche nach politischen Lösungen in regionalen und internationalen Konflikten eintreten.“ Ahja? Was denn sonst? Flächendeckende Bombardements?
Natürlich ist an seinem Satz nichts falsch, aber eben auch nichts neu. Eine pompös aufgeladene Allerweltsbanalität, wie so vieles bei ihm leicht im Ton verrutscht. Eben immer noch der Außenminister-Darsteller, der ungelenk seine Sätze und Posen übt und übt – aber offenkundig ohne inneren Zugang.
Er hat den Posten, weil ihn Genscher schon hatte, weil man da in Umfragen beliebt ist (normalerweise jedenfalls) und weil der FDP-Vizekanzler ihn halt immer hat. Dass er ihn wirklich wollte, weil ihm das Thema läge oder Diplomatie seine Stärke wäre, hat er jedenfalls immer gut versteckt. „Als Außenminister“ sei er ja erfolgreich, merkt Bayerns FDP-Chefin Leutheusser-Schnarrenberger leicht hinterhältig an. Wenn, dann aber wirklich nur im Vergleich zu seiner Bilanz als Parteichef.