München und mehr
Die Fülle erdrückt das Profil, der rote Faden ging verloren - die AZ-Kunstredakteurin München Roberta De Righi über die Baustelle Stadtmuseum.
Bierzelt und Biedermeier, Presssack und Prosecco – alles, was als historisch elementar für München gilt, findet man seit 1888 im Stadtmuseum. Und in der hiesigen Museumslandschaft ist die alle Genres übergreifende Institution im einstigen Zeughaus am St. Jakobsplatz ein Solitär: Nirgendwo anders gibt es eine derart fantastische und verwirrende Sammlungs-Vielfalt unter einem Dach – mit bedeutenden Bildern, Dokumenten und Objekten aus einem Jahrtausend Stadtgeschichte, darüber hinaus mit Möbeln, Musikinstrumenten, Mode, Film und Fotografie aus aller Welt.
Doch dieses Alleinstellungsmerkmal ist auch das größte Problem des Hauses: Die Fülle erdrückt das Profil, der rote Faden ging verloren. Und so wurde die Stadtgeschichte zum Staubfänger. Auch viele der Sonderausstellungen wirkten zuletzt wie aus der Zeit gefallen. Wolfgang Till, der über 20 Jahre lang Museums-Chef war, hat es in den letzten Jahren kaum mehr geschafft, an die großen Ausstellungserfolge aus den 80er und 90er Jahren anzuknüpfen. Der Erlebnispfad für Bildungsbürger war irgendwann „out“. Auf die auch durch die neuen Medien veränderten Erwartungen der Besucher ging man im Stadtmuseum nicht gerade gekonnt ein.
Die klug-unterhaltsame neue Dauerschau „Typisch München“, die 2008 eingerichtet wurde, macht immerhin große Hoffnung, dass es möglich ist, dauerhaft Sinn und Humor in das städtische Sammelsurium zu bringen. Aber auf den neuen Direktor wartet nicht zuletzt im sanierungsbedürftigen Gsaenger-Trakt eine Großbaustelle.
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