Eier-Not in Deutschland: Zu lange herumgeeiert

Seit Beginn des Jahres dürfen innerhalb der EU keine Eier aus Käfighaltung gehandelt werden. Doch nicht alle Hersteller halten sich daran – deswegen fehlen Eier für Lebensmittel-Hersteller
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Spätzleproduktion auf der Schwäbischen Alp: Doppelt so hohe Eierpreise für die Hersteller.
dpa Spätzleproduktion auf der Schwäbischen Alp: Doppelt so hohe Eierpreise für die Hersteller.

München - Eier-Alarm! Der Verband der Großbäckereien spricht von einer „sehr ernsten“ Lage, ein Nudelhersteller ist schon pleite, weitere Firmen in ernsthafter Gefahr. Zu Ostern wird sich die Lage wohl zuspitzen, heißt es.

Eier sind knapp und werden immer teurer. Verbraucher merken es noch nicht, weil der Einzelhandel langfristige Verträge hat und seine Preise noch halten kann. Aber die Hersteller von Nudeln, Mayonnaise und Backwaren kommen ins Rudern. Der Informationsdienst „Eier & Geflügel“ meldet, die Eierpreise am freien Markt hätten sich innerhalb weniger Wochen verdoppelt. Kostete ein Ei (Klasse M) aus Bodenhaltung in der ersten Januarwoche noch 8,1 Cent, liege der Preis jetzt bei 14,5 Cent, sagt eine Eier-Expertin. „Da ist eine Schmerzgrenze erreicht.“

Was ist passiert? Der Grund für den Eier-Engpass liegt im Verbot für Käfighaltungen – beziehungsweise in der zögerlichen Umsetzung des Verbotes. Gut ein Dutzend EU-Länder haben ihre Eierproduktion nicht der neuen Gesetzeslage angepasst. „Eier & Geflügel“ berichtet, zwischen 50 und 100 Millionen der 330 Millionen Legehennen in der EU würden immer noch in nicht-umgerüsteten Käfigen leben. Diese Eier dürfen nur im eigenen Land vermarktet werden.

„Unseren Bäckereien fehlen sicherlich mehr als zehn Prozent des Bedarfs“, sagte Verbandspräsident Helmut Klemme. „Zurzeit können Großbäckereien Eier nicht mehr oder nur zu enorm erhöhten Preisen bekommen.“ Für Nudelhersteller habe die Entwicklung „dramatische Formen angenommen“, sagt Alexander Jess, Geschäftsführer des Verbands der Teigwarenhersteller. „Schließlich enthalten 80 Prozent der in Deutschland produzierten Nudeln Ei.“

Ein sächsischer Eiprodukte-Hersteller hat kürzlich Insolvenz beantragt – Hintergrund seien die „dramatisch gestiegenen Preise für Eier in den vergangenen Monaten sowie die Eierknappheit am europäischen Markt“, teilte der Insolvenzverwalter mit.

Wenig Hoffnung kommt aus dem nicht-europäischen Ausland, im Gegenteil: In China, dem Dorado der Produktkopierer, sind Fake-Eier modern geworden. Sie sehen aus wie Eier, doch sie bestehen nur aus Kalzium, Gelatine und Paraffin. Die Herstellungskosten betragen nur ein Bruchteil der Kosten für natürliche Eier, ihr einziger Nachteil: Sie schmecken nach allem Möglichen, nur nicht nach Ei. 

 

 

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