Von Franz Josef Strauß besessen

Helmut Schleich schlüpft in seinem umjubelten Solo „Nicht mit mir” in viele Rollen.
Mathias Hejny |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ bei Google News

Plötzlich hängen sich seine Schultern aus und bis zum Verschwinden des Halses auf Ohrläppchenhöhe wieder ein. Jetzt ist klar zu erkennen: Franz Josef Strauß hat Besitz von seiner Persönlichkeit ergriffen. In der Inkarnation des Kabarettisten Helmut Schleich erscheint der Große Vorsitzende ein knappes Vierteljahrhundert nach seinem Ableben lebendiger als viele lebenden Politiker.

Schließlich geht es ihm nicht darum, „eine Meinung zu haben, sondern sie durchzusetzen”. Demos sind gegen die Atomstromindustrie so wirkungsvoll „wie Fahrradbremsen am D-Zug”. Strauß würde, wäre er gegen Atomkraft, die Kraftwerks-Bosse ins Bordell einladen und dann damit zu drohen, die dort entlockten Informationen über Sicherheitsmängel zusammen mit peinlichen Nacktfotos ins Internet zu stellen.

Strauß hat eine Menge Leute mitgebracht: Stoiber und Seehofer, Alt-Kanzler Schmidt und sogar den Brettl-Kollegen Ottfried Fischer. Auch Papst Benedikt bemächtigt sich Schleich und rät ihm ab, sich den Strauß austreiben zu lassen – es könnte viel schlimmer kommen. Schließlich gebe es Menschen, die von Strauß-Epigonen wie Söder besessen seien. Ein anderer, der sich in Schleichs Schädel tummelt, ist Heinrich von Horchen, „der Gesangslehrer von Marika Rökk und Johannes Heesters”. Als Kenner der deutschen Aristokratie hat er auch seine Meinung zum Fall zu Guttenberg: „Früher hat der Adel Universitäten gegründet und nicht beschissen.”

In seinem neuen Solo „Nicht mit mir!”, das in der Lach- und Schießgesellschaft umjubelte Premiere feierte, verblüfft Helmut Schleich mit seinem „beherzten Typenkabarett”: Ein unwiderstehlicher Mix aus Klamauk und Feinsinn, Volkstheater und schauspielerischem Raffinement, liebevollem Spott über die Merkwürdigkeiten der Zeitgenossen und bös gemeinter Häme wider die Umtriebe der Mächtigen.

Lach- und Schießgesellschaft ausverkauft, Lustspielhaus, wieder am 2., 24. und 25. Juli, Tel. 344974

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
0 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.