Trödel der Geschichte

Von Konrad Adenauers Indianerschmuck bis zu Horst Köhlers Zebrahut: Die Völklinger Hütte zeigt die unterhaltsame Ausstellung „Staatsgeschenke – 60 Jahre Deutschland“
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Von Konrad Adenauers Indianerschmuck bis zu Horst Köhlers Zebrahut: Die Völklinger Hütte zeigt die unterhaltsame Ausstellung „Staatsgeschenke – 60 Jahre Deutschland“

Was schenkt man Menschen, die schon alles haben? Vor diesem Problem stehen wir alle etliche Male im Jahr, aber auf diplomatischer Ebene klingt es noch etwas verschärfter: Was schenkt man Horst Köhler? Diese Frage löste die Republik Botswana souverän. Der deutsche Bundespräsident, der vom 6. bis 9. April 2006 in Botswana weilte, erhielt nicht nur ein Straußenei auf einem Elfenbeinständer, sondern auch einen ultracoolen Hut aus Zebrafell. Schade nur, dass Köhler nicht den modischen Mut besitzt, ein bisschen Botswana im alltäglichen Berlin zu tragen.

Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik gibt es derzeit in der Völklinger Hütte eine bemerkenswerte Ausstellung: 185 Exponate aus 75 Ländern, Geschenke, die Bundespräsidenten und Kanzler in den vergangenen 60 Jahren etwa auf Reisen überreicht bekommen haben. „Staatsgeschenke haben eine große historische Tradition“, sagte der Generaldirektor des Europäischen Zentrums für Kunst und Industriekultur, Meinrad Maria Grewenig. Bereits in der Antike sei der Austausch von Gaben ein Bestandteil der Diplomatie gewesen.

Ab ins Depot!

Einen praktischen Wert haben die meisten Geschenke wohl nicht, und ob sie immer den persönlichen Geschmack der Empfänger getroffen haben, bleibt wohl ebenfalls ein Staatsgeheimnis. So auch die kunterbunte Drachenstatuette mit Kindern, die Köhler 2007 in Hongkong erhielt. Augenscheinlich teuer und aufwändig gestaltet sind jedenfalls die meisten Stücke.

Einige Exponate sind eigene Berühmtheiten, so wie der Federschmuck, den Konrad Adenauer (Spitzname: der Indianer) als „Weiser Häuptling vieler Menschen“ am 15. Juni 1956 von den Vereinigten Indianerstämmen von Wisconsin erhielt. Während normale Menschen ihre Präsente nach der feierlichen Übergabe auspacken und gerne vorzeigen, verschwinden Staatsgeschenke meist wenig beachtet in Regalen der Regierungssitze oder in Archiven. Schade, denn mit Jassir Arafats Perlmutt-„Abendmahl“ (nach Leonardo da Vinci) bekam Helmut Kohl 1995 eine fast deckungsgleiche Variante eines Präsents, das sein Idol Adenauer schon 1959 vom Jordanischen Präsidenten der Nationalversammlung erhalten hatte.

Wer braucht schon einen Tischaufsatz?

Ob die Stücke auch etwas über das Verhältnis der Staaten sagen? Obamas kühle Silberschale, die er Bundeskanzlerin Angela Merkel am 24. Juli 2008 in Berlin schenkte, ist kein Zeichen einer brodelnden Leidenschaft, sie zeugt eher von einem pragmatischen Geist.

Die lebhaft dargestellte Fasanenjagd als Tischaufsatz hingegen dürfte von Stepanowitsch Tschernomyrdin, Präsident der Russischen Konföderation, im Juli 1997 als leidenschaftliche Freundschaftsgeste an Helmut Kohl gedeutet werden. Während der sozialistische Roboter, den die Sowjetunion 1978 an Erich Honecker verschenkte, beileibe nicht der Ausdruck einer technischen Überlegenheit des Ostens gewesen sein kann. Honecker durfte nicht einmal damit spielen! Denn selbst behalten dürfen die Staatsmänner die Gaben nicht. Heutzutage werden die Geschenke verpackt überreicht und nur „im engsten Kreis von Diplomaten“ ausgepackt, begutachtet – und weggestellt.

Volker Isfort

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