Rote Ohren unter der Heizdecke
„Man liebt nur dreimal“ mit Bond-Girl Karin Dor in der Komödie im Bayerischen Hof
Ursprünglich hieß das Stück „Die Katze“. Das Tier ist Isabellas Vorbild, denn so ganz ohne feste Bindung fühle sie sich im reiferen Alter endlich so frei und unabhängig wie eine Katze. Für die Inszenierung von Michael Wedekind an der Komödie im Bayerischen Hof heißt das Werk nun „Man liebt nur dreimal“.
Mit dem Musikkritiker unterwegs
Das klingt nicht nur zufällig ähnlich wie ein James-Bond-Klassiker: Karin Dor, für die das Stück geschrieben wurde, ging dem Spion Ihrer Majestät in „Man lebt nur zweimal“ als DDR-Agentin mit Lizenz zum Töten an die Wäsche und vergeblich ans Leben.
Rund 40 Jahre später spielt Karin Dor eine gut situierte Dame, die sich selbst die Lizenz zum Lieben erteilt hat: Das Geronto-Stalking eines arrivierten Musikkritikers (Christian Claaszen) und eines Star-Mediziner (Gunter Beth) nutzt Isabella aus zu einer Menage-à-trois, bis auch noch ein alter Bekannter mit Heiratsabsicht (Werner Haindl) auftaucht und sich der Haushälter (Stefan Behrens) gleichfalls Hoffnung macht.
Entspannte Libertinage
Selbst Dario Fo und Franca Rame, die vor einem Vierteljahrhundert die „Offene Zweierbeziehung“ für die Bühne erfanden und als patriarchalischen Luxus entlarvten, würden angesichts so entspannter Libertinage rote Ohren bekommen. Doch hier passiert schon nichts: Die Dialoge des Autorenduos Gunther Beth und Barbara Capell sind so frech wie Corega Tabs und frivol wie eine Heizdecke. Den Schauspielern gelingt es mit schicker Gediegenheit, das unwesentliche Geplauder bis zur völligen Ereignislosigkeit zu steigern. Der Premierenapplaus fiel angemessen reserviert aus. Das als Pausenmusik eingespielte Bond-Thema weckt immerhin den Wunsch, mal wieder einen der guten alten Kalter-Krieg-Thriller anzuschauen.
Mathias Hejny
Komödie im Bayerischen Hof, täglich bis 1. November 2008. Telefonische Kartenreservierung: 089 / 29 16 16 33
Der Champager-Kavalier
Blacky zwischen gestern und heute: Vor knapp 50 Jahren war Karin Dor in fünf Edgar-Wallace-Krimis seine Partnerin, quasi seine „zweite Frau“ gewesen, wie er sichtlich stolz der AZ sagte. Nun, vor der Premiere von „Man liebt nur dreimal“ in Margit Bönischs Komödie im Bayerischen Hof, stand Joachim Fuchsberger als lässiger Champagner-Kavalier an der Garderobentür, wünschte der alten Bekannten und überraschten Hauptdarstellerin „toi, toi, toi“. Karin strahlte: „Wenn du da bist, Blacky, dann strenge ich mich besonders an.“
Und das tat sie dann während der Aufführung – schon deshalb, weil neben dem alten Freund Fuchsberger viele weitere bekannte Gesichter saßen. Die Regisseurin Margarethe von Trotta zum Beispiel: Vor zwei Jahren hatte sie die Karin als Mutter von Katja Riemann in „Ich bin die Andere" besetzt – und so die gebürtige Wiesbadenerin nach langer Film-Abstinenz zurück vor die Kamera geholt. „Diese Arbeit zählt zu meinen schönsten Erinnerungen, wir sind seither befreundet“, so Dor. Blacky übrigens kann sich sehr gut vorstellen, noch einmal mit Karin Dor vor der Kamera zu stehen: „Vielleicht im ,Wixxer 3’. Wenn es den gibt.“
Lotte Holetz