Stadt will Gergiev verlängern
Alles andere wäre eine Überraschung gewesen: Am 21. Februar wird Kulturreferent Hans-Georg Küppers der Vollversammlung des Stadtrats vorschlagen, den Vertrag von Valery Gergiev zu verlängern. Der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker ist bisher bis 2020 verpflichtet. Die Verlängerung läuft bis 2025. Dass der Stadtrat zustimmt, gilt als ebenso sicher wie die Annahme des Angebots durch den 64-jährigen Russen.
Gergievs künstlerische Bilanz ist nicht unumstritten – und zwar nicht nur unter den Musikkritikern dieser und anderer Zeitungen, sondern auch im Orchester der Stadt. Trotzdem wäre fahrlässig, in schwierigen Zeiten den Chefdirigenten zu wechseln. Das würde die Position des Orchesters in der Zeit der Gasteig-Sanierung unnötig schwächen.
Kein Risiko in der Umbauphase
Umzüge in Interimsquartiere bieten die Chance, neue Publikumsschichten zu erschließen. Aber erfahrungsgemäß verhält sich das Stammpublikum abwartend. Beim Umzug der Tonhalle in Zürich in eine umgebaute Fabrikhalle wurde mit Verlusten bis zu 25 Prozent gerechnet, die dann allerdings nicht so dramatisch eintraten.
Das zeitliche Zusammentreffen der Sanierung und der anstehenden Vertragsverlängerung verhalf Gergiev und dem Orchester eine starke Position bei den Verhandlungen mit der Stadt. Der Dirigent hat sich in den vergangenen Wochen bei Oberbürgermeister Dieter Reiter nachdrücklich für eine angemessene Ersatzspielstätte eingesetzt.
Die hölzerne Philharmonie auf dem Gelände der Stadtwerke gegenüber dem Heizkraftwerk Süd an der Brudermühlbrücke soll 1800 Besucher fassen und soll 30 Millionen kosten. Auch das hat der Stadtrat mit ein paar Gegenstimmen geschluckt, weil niemand will, dass die Philharmoniker plötzlich ohne Chefdirgenten dastehen. Wie es mit Gergiev Forderungen nach einer verbesserten finanziellen Ausstattung des Orchesters steht, ist ebensowenig bekannt wie Details des Vertrags.