Olli Mustonen nervt mit Beethoven

Salzsäure für die Ohren: Olli Mustonen und das Münchener Kammerorchester im Prinzregententheater
Robert Braunmüller |
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Seinen Anschlag scharf zu nennen, wäre untertrieben. Sauer auch. Vielleicht ätzend wie Salzsäure? Viel zu schwach! Vorläufig muss das reichen: Olli Mustonen verätzt jede Note mit einem Staccatopunkt. Und dann hackt und hämmert er sie in die Tasten.
Das ist anfangs nicht ohne Reiz, weil es zum historisierend geschärften Zugriff und der kleinen Besetzung des Münchener Kammerorchesters passt. Aber einmal davon abgesehen, dass Hammerklaviere entgegen ihrem Namen eher weich und farbig klingen: Warum muss auch ein langsamer Satz laut heruntergedroschen werden wie von einem Musikautomaten?

Spätestens im Largo des Klavierkonzerts Nr. 1 wurde Mustonens Acid-Beethoven zur nervigen Masche. Im Rondo taten einem nur noch die Ohren weh. Das Feuer dieses Stücks blieb unentdeckt. Es gemahnte an die musikalische Verherrlichung des Schaffens fleißiger Werktätiger einer sowjetischen Nähmaschinenfabrik.

Über Alexander Liebreichs Beethoven lässt sich dagegen fast nur Gutes berichten: Er begleitete Mustonnen mit Hingabe. Die Achte am Ende des Abends sprühte vor trockenem Witz. Leider nahm der vorwärtsdrängende Dirigent den Bläsern im Trio die Luft zum Atmen. Und mehr als einmal beschränkte sich der Gegensatz zwischen Piano und Forte auf den simplen Wechsel zwischen Bläsern und Tutti.

Die modernen Werke blieben diesmal flau: Georges Lentz’ „Caeli enarrant“ mischte Anverwandlungen tibetischer Klänge mit verschlissenen Versatzstücken der Gegenwartsmusik. Mit ähnlichen Mittel würzte Hans Abrahamsen den nicht ganz frischen Minimalismus seiner „Märchenbilder“ nach. „Kindheit“, das Jahresmotto des Münchner Kammerorchesters scheint sich ein wenig der Musik zu entziehen.

 

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