Kent Nagano dirigiert Messiaen und Berlioz

Kent Nagano und das BR-Symphonieorchester mit Werken von Olivier Messiaen und Hector Berlioz im Herkulesssaal
Michael Bastian Weiß |
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Der Dirigent Kent Nagano.
dpa Der Dirigent Kent Nagano.

Einige Mozart-Rollen finden sich im Repertoire von Jenny Daviet, dazu Alte Musik und Operette, auch die Mélisande von Claude Debussy und die Lulu von Alban Berg. Aber noch keine Wagner-Partie. Das ist ein Anzeichen dafür, dass die französische Sängerin strenggenommen nicht ganz den Stimmtypus verkörpert, den der junge Olivier Messiaen für seinen Liederzyklus „Poèmes pour Mi“ ausdrücklich verlangte, nämlich einen „großen dramatischen Sopran“.

Blendet man diesen äußerlichen Umstand aus, erscheint Daviet als Idealbesetzung für diese Gesänge. Der Komponist hatte seine eigenen, mystisch religiös angehauchten Gedichte in eine durchweg zarte, pastellen gefärbte Musik gefasst. Kurz gesagt, tönt das alles so impressionistisch, wie Claude Debussy, eines von Messiaens Vorbildern, nie war.

Träumerische Atmosphäre

Die schlanke, feste und biegsame Stimme von Jenny Daviet kann sich im Herkulesaal gegenüber der Begleitung ohne Mühen behaupten, auch, weil Kent Nagano das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks durchgehend zurückhält.

Mit ausdrucksvollen Gebärden, die auch ihren Gesang erfassen, trägt sie die Texte phantasievoll vor, überführt die Sprache in Musik und schafft so eine träumerische, verzückte Atmosphäre. Gut möglich, dass der Komponist, wenn er das hätte hören können, seine Besetzungsvorschrift geändert – und sich fortan Sängerinnen wie Jenny Daviet gewünscht hätte.

Mehr makabre Übertreibung wagen!

An seine Kompetenz in Sachen Messiaen, mit dem er als junger Dirigent eng zusammenarbeitete, reicht Kent Nagano im zweiten Teil nicht ganz heran. Seine Interpretation der „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz wirft einige Fragen auf. Das hat sie mit vielen Deutungen von Dirigentenkollegen gemein, die jeweils unterschiedliche Schwierigkeiten mit diesem oft ungenau realisierten Werk haben.

Die vielen Tempomodifikationen gibt Nagano aufmerksam vor, er legt besonderes Augenmerk auf die Rhythmik, die er jedoch, besonders in längeren Passagen, vom Symphonieorchester fast pedantisch ausführen lässt. So geht in den Horrorvisionen der letzten Abteilungen die Lust an den immer noch avantgardistisch wirkenden Orchestereffekten verloren. Klangsinnlichkeit beweist Nagano in den leisen Passagen, doch für den Marsch zum Schafott und den Hexensabbat müsste auch noch ein wenig Sinn für makabre Übertreibung hinzukommen.

Das Konzert kann online ist in Kürze auf br-klassik.de nachgehört werden

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