Späte Liebe zum frühen Beuys
"So schön wie heute, habe ich diese Werke noch nie gesehen!“ Lothar Schirmer, der gestern womöglich lieber in ein „Hasengrab“ abgetaucht wäre, statt vor zig Kameras zu posieren, ist kein Mann salbungsvoller Worte. Doch im Foyer des Lenbachhauses kann er eine gewisse Rührung nicht ganz verbergen. Dem Haus, das am 8. Mai eröffnet wird, hat der Verleger 15 frühe Objekte von Joseph Beuys vermacht – und die sind nun in den lichtdurchfluteten Räumen des Ateliertrakts untergebracht.
Damit erhält das Environment „Zeige deine Wunde“, dessen Ankauf 1979 München einen satten Skandal beschert hatte, endlich ein angemessenes Umfeld. Früher standen die beiden Schragen etwas vereinsamt in eher schmalen Räumlichkeiten mit wenig animierender Nachbarschaft. Die Enge hatte zwar ihren Reiz, sie betonte die Unentrinnbarkeit, jetzt erhält dieser Beuys Luft, und in der Ausleuchtung changiert die Atmosphäre zwischen klinischer Kühle und greifbarer Ohnmacht, Distanz und nahendem Schicksal.
Man kann den Beuys-Trakt in einem kleinen Rundgang durchwandeln, wer rechts beginnt, gelangt übers „Hasengrab“ und die zu kurioser Berühmtheit gelangte „Badewanne“ in einen Raum, der das Gros der Donation versammelt – den „Lavendelfilter“ oder den „Fisch“, ein kubistisch anmutendes bronzenes „Schaf“ (1949), das man gerne in die Hand nehmen würde, oder den „Mäusestall“ und natürlich die „Bienenkönigin“. All diese Arbeiten stehen in korrespondenzfreudiger Nähe zueinander, auch die „Wunde“ im Folgeraum und am Ende bzw. Anfang „Vor dem Aufbruch aus Lager I“. In Schirmers Wohnung haben die Objekte viel dichter gestanden, jetzt dürfen sie atmen.
Schön für München, schön, dass diese gewachsene Sammlung zusammen bleibt. Noch schöner wäre die Erweiterung und Kombination mit Beuysscher Grafik.
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