The Summer of 69
Irgendwie ist es schade: In den USA ist Roland Emmerichs „Stonewall“ bereits in hysterischer Diskussion zerredet worden: zu weiß sei alles dargestellt und mit zu schrägen Vögeln. Es geht um Deutungshoheit. In diesem Fall um die Deutungshoheit über den Beginn der Gay-Pride-Bewegung, als in der Christopher Street in Manhattan Autos und Clubs brannten bei Straßenschlachten zwischen der schwulen Szene und der Polizei – im Summer of 69.
Das Leben eines Schwulen bunt beleuchtet
Emmerich kümmert sich nach Action-Blockbustern jetzt um intimere Stoffe wie hier die Jugend eines James-Dean-Typen, Danny, der an seiner Kleinstadt-Highschool als schwul zwangsgeoutet wird, von zuhause abhaut und in New York strandet – anfangs ohne Studien-Aussicht auf der Straße. Emmerich, der aus seiner Homosexualität keinen Hehl mehr macht, zeigt die Gay-Community in vielen Facetten: die Verbürgerlichten, die mit Versammlungen politisch aktiv werden gegen die Starfbarkeit von Homosexualität, elektro-schockierende Zwangsbehandlungen, sadistische Polizeigewalt. Dann gibt es die, die ein Doppelleben führen, um nicht aufzufallen, und Emmerichs Schwerpunkt: die Typen, die mangels Job und wegen Travestien nirgendwo akzeptiert sind und wie bunte Straßenhunde um die Häuser ziehen, von einer leuchtenderen Zukunft träumen und in die wenigen Clubs gehen, die ihnen ein Refugium zum Tanzen und Sie-Selbst-Sein bieten – wie der Club „Stonewall“, permanent bedroht von demütigenden Razzien. Am Ende wirft Danny den ersten Stein, der das Ende der Geduld markiert.
Emmerich erzählt das alles cool in den bunten Farben und Tönen der aufziehenden Flower-Power-Zeit, intensiviert und abgedunkelt zugleich durch die Nächtlichkeit der Clubs und Billigpensionen. Und er gibt durchaus eine Portion Sentimentalität dazu, die aber die Grundhärte des Konflikts und familiäre Verwerfungen nie verrät.