Krachende Auferstehung

Fast 15 Jahre nach seinem doch nur vorübergehenden Ausscheiden meldet sich Undercover-Agent Xander Cage (Vin Diesel) als knallharter Weltenretter zurück.
von  Andreas Günther
Angeblich tot, tatsächlich nur im selbstgewählten Exil: Nach vielen Jahren kehrt Xander Cage alias Vin Diesel als beinharter Weltenretter zurück.
Angeblich tot, tatsächlich nur im selbstgewählten Exil: Nach vielen Jahren kehrt Xander Cage alias Vin Diesel als beinharter Weltenretter zurück. © 2016 Paramount Pictures / Revolution Studios
"xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" zeigt, dass Vin Diesel
immer für eine Überraschung gut ist. Der Actionstar mit gut gepflegten Muskelpaketen, markantem kahlen Schädel und ruhiger Überlegenheit in der Ausstrahlung verfährt bei seiner Projektauswahl nun mal ziemlich eigenwillig. "The Fast and the Furious" (2001) brachte ihn ganz groß heraus. Trotzdem war er für die Fortsetzungsfilme jahrelang nicht zu haben. Ähnlich beim "xXx"-Franchise. In "xXx - Triple X" von 2002 knackte Vin Diesel
als prollig-kraftstrotzender Anti-James-Bond und Extremsportler Xander Cage einen Ring von osteuropäischen Biowaffen-Terroristen. Dem Sequel blieb er 2005 jedoch fern. Dafür pflügt er nun im dritten Teil auf Skiern durch den Dschungel und mit gnadenlosem Kick-Boxing durch die Reihen bis an die Zähne bewaffneter Gegner. Wer nur die Kinoversion von "xXx - Triple X" kennt, weiß Xander Cage nach aufreibendem Action-Einsatz im Standurlaub mit schöner Freundin. Die DVD-Widescreen-Special Edition
hingegen lässt den Ausnahme-Agenten sterben, um den Einsatz eines neuen xXx-Agenten in der Fortsetzung "xXx 2 -The Next Level" zu begründen - Ice Cube wurde 2005 auf gefährliche Mission geschickt. Die Auferstehung im neuen Film
"xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" ist für beide Enden anschlussfähig: Seinen Tod nur vortäuschend, hat Cage Jahre in einer Art selbstgewähltem Exil verbracht. Daraus beruft ihn die zickige Regierungsbeamtin Jane Marke (Toni Collette) ab. Cages bisheriger Kontaktmann Augustus Gibbons ist in New York anscheinend von einem herabstürzenden Satelliten
erschlagen worden - ein Terroranschlag. Mit den Methoden von Funsport und Nahkampf, unterstützt von einem Team der "Guten, Extremen und total Wahnsinnigen", nimmt es Cage mit einem "Alphakrieger" namens Xiang (Donnie Yen) auf, der mit einem tabletgroßen digitalen Endgerät mit Namen "Büchse der Pandora" angeblich Satelliten
auf Großstädte lenkt. Im Gewitter explosiver Auseinandersetzungen lässt es Cage ordentlich krachen, aber auch seinen Charme spielen. Zum Beispiel bei der undurchsichtigen attraktiven Fighterin Sarah Unger, verkörpert von Bollywood-Ikone Deepika Padukone. Allerdings schmachten Cage schon unzählige Bikini-Schönheiten in diesem exotisch-strandbarlastigen Film an. Das schreit nach einer Umfrage, wie beliebt bei Frauen haarlose tattoobedeckte Muskelprotze mit Dauergrinsen und nichts auf der hohen Kante bei Frauen wirklich sind. Die Männer hinter der Kamera sind freilich kritischer zu beurteilen. Die Story aus der Feder von F. Scott Frazier ist bei den letzten großen Superheldenfilmen abgekupfert: Die Guten geraten sich in die Haare und verlieren die Bösen fast aus den Augen. Doch während Fraziers Sprechbeiträge für Sir Anthony Hopkins und Sir Ben Kingsley in "Collide" jegliches Niveau unterschritten, passen sie zu den Infantilitäten von "xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" ganz gut. Größere Sorgen bereitet Regisseur D. J. Caruso. Der hat sich eher als Spezialist für Paranoia-Thriller einen Namen gemacht. Die Action-Themen von "xXx: Die Rückkehr des Xander Cage" liegen ihm nicht. Eine Wasserskiverfolgungsjagd auf Motorrädern zwischen Cage und Xiang im Indischen Ozean säuft ab, weil die Kamera keinen Blickwinkel findet, von dem aus sie mittendrin statt nur dabei wäre. Auch Cages Zweikämpfen mit Xiang mangelt es an innerer Dynamik und klugen Aufmerksamkeitspunkten. Viele Schnitte ändern daran nichts. Sie zerschreddern bloß mager inszenierten Radau, der sich nur an wirklich unerschütterliche Fans richtet.
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