„Die letzte Sau“: Power to the Bauer!
„A Viech is a Viech, so wie der Mensch auch“. Nach diesem Motto lebt der schwäbische Schweinebauer Huber (Golo Euler) und führt den familiären Kleinbetrieb. Seinen Schweinen geht’s saugut, auch wenn das Leben für den jungen Bauern hart ist. Denn es wird immer schwerer für die Kleinbetriebe sich gegen die Industriebetriebe zu behaupten. Und privat? Da liebt Huber Birgit, die Tochter eines großen Agrarbetriebs, der er ökonomisch nichts bieten kann: Der Ruin steht kurz bevor.
Und als man denkt, es könne nun wirklich nicht mehr schlimmer kommen, legt in einer tragikomischen Szene ein Meteorit seinen Hof in Schutt und Asche. Schweinebauer Huber „hat fertig“. Er macht sich mit seinem Moped auf einen Selbstfindungstrip – die letzte ihm verbliebene Sau begleitet ihn im Beiwagen.
Kleinbauern gegen Agrarkonzerne – Ein aussichtsloser Kampf?
Auf seiner Reise als gesetzesloser Vagabund begegnet er Männern, die vom Leben ähnlich gebeutelt worden sind. Der Dorfmetzger Willi geht pleite, Imker Meier verzweifelt am von Pestiziden verursachten Bienensterben und Jäger Kramer wehrt sich verzweifelt gegen die Pfändung seines Elternhauses.
Und Huber? Der findet langsam Gefallen an der neu entdeckten Freiheit. Als Rebell mit Kriegsbemalung und Gewehr sagt er den Großbetrieben den Kampf an. Zu verlieren hat er ja sowieso nichts mehr. Also bedroht er die Großbauern mit dem Gewehr, lässt Vieh frei und schmiert die Parole „so geht’s nicht weiter“ an die Wände der Agrarriesen. Und er hat Recht. Es geht wirklich nicht so weiter in einer Welt, in der die Landwirtschaft nur noch von Konzernen regiert wird und kleine Bauern systematisch zugrunde gerichtet werden. Aber wie soll man sich alleine gegen die Agrarindustrie auflehnen?
„Die letzte Sau“ ist ein Film zwischen tragikomischen Roadmovie und satirischer Gesellschaftskritik. Regisseur Aaron Lehmann zeigt auf unterhaltsame und nicht allzu deprimierende Weise, wozu die steigende Nachfrage nach Fleisch führt. Denn die wenigsten Verbraucher sind sich des Leides, das die Agrarindustrie verursacht, bewusst: Die Vernichtung ganzer Existenzen – von dem Tierleid der Massentierhaltung ganz zu schweigen.
Die Tragikomödie „Die letzte Sau“ ist keine leichte Kost, Regisseur Aaron Lehmann gelingt es aber dennoch, die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und auch zu amüsieren. Aufgelockert wird die Geschichte durch Situationskomik und den heimlichen Star des Films: dem Schwein im Beiwagen des Mopeds.
Kino: Monopol
R: Aaron Lehmann (D, 86 Min.)
- Themen: