"Clash": Wo ist Sicherheit?
Der ägyptische Film "Clash" erzählt als Spielfilm, der nah dran ist wie eine Dokumentarfilm, von den Unruhen des Arabischen Frühlings
Der arabische Frühling? Geschichte! Inzwischen ist der Traum von Freiheit vorbei, herrscht Präsident al Sisi mit harter Hand. Mohamed Diab, heute mehr als Aktivist denn als Filmemacher in Ägypten bekannt, geht zurück in den Juli 2013, als die Proteste gegen den Sturz von Mohamed Mursi von der Moslem Bruderschaft ihren Höhepunkt erreichten. Mit unruhiger Handkamera zeichnet er die aufgeladene Stimmung unter Gefangenen verschiedener politischer und religiöser Überzeugung in einem engen Polizeiwagen, darunter zwei Frauen und – wie einige glauben – zwei Spione: ein Journalist und sein Fotograf. Während drinnen Nervosität und Aggression zwischen Mursi-Anhängern und Gegnern hochkochen, fliegen draußen Steine, feuern Scharfschützen, werfen Polizisten Tränengas. Oft sind die Fronten kaum auseinanderzuhalten. Gefilmt wird das Chaos aus der Perspektive der hinter Gitterstäben Eingeschlossenen (wobei manchmal unklar ist, wo man sicherer ist). Es ist ein Stück fiktionalisierter Zeitgeschichte, aber auch der Kreislauf von Gewalt, der Menschen zu Bestien macht. Wenn am Ende die Inhaftierten, die die ganze Zeit nur raus wollten, lieber im Polizeiwagen bleiben, wird „Clash“ auch zum Symbol eines Landes im Ausnahmezustand.
Margret Köhler
heute, 17.30 Uhr und Di, 28.6. 22.30 Uhr, Münchner Freiheit. Sa, 25.6. 20 Uhr, Rio
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