Irrwitzig strömender Farb-Bach

Grigorij Sokolov mischt den Herkulessaal mit Bach und Schumann wieder mal mächtig auf
Christa Sigg |
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"Des is doch koa Popkonzert!”, wettert eine Dame in Reihe acht. Mit dem letzten Ton von Rameaus frechem kleinen „Tambourin” musste sich ihr schweißtriefender Vordermann grölend Erleichterung verschaffen. Grigorij Sokolov war nach dieser zweiten von sechs Zugaben längst wieder davon gefedert. Mit todernstem Blick und dieser Spur Melancholie in den dunklen Knopfaugen.
Erst als Veranstalter Klaus Schreyer gegen Viertel vor elf mit den obligatorischen Blumen vor ihm steht, formen sich die Mundwinkel zum ersten und letzten Lächeln eines schier endlosen Abends im ausverkauften Herkulessaal.

Ein Kraftakt liegt hinter diesem Pianisten, der Klavierstimmer war schon in der Pause gefordert nach einem äußerst intensiven, sinnlichen Johann Sebastian Bach. Fern jeder Nähmaschinenmonotonie wirkt der 60-Jährige mit präzisen Nadelstichen an einem Stoff, der völlig vergessen lässt, dass der Flügel eigentlich das falsche Instrument ist für dieses „Concerto nach italienischem Gusto”. Denn da leuchten Farben von saftiger Frische, noch in den Mikrostrukturen tut sich Immenses, nicht nur die Ecksätze haben Drive. Und selbst das Nachdenken über das Wesen der Suite in der Ouvertüre nach französischem Vorbild ist ungemein plastisch, durchpulst.

Dass Robert Schumann vor allem ein Erzähler ist, kratzt Sokolov nicht im Geringsten – leider. Doch selbst die exzentrische Fledderei der B-Dur-Humoreske hat Reiz. Auch wenn der Komponist nicht wirklich gut weg kommt.

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