In den Untiefen der großen Repertoire-Kiste

Die Wiederaufnahme von Richard Straussens Oper „Salome“ im Nationaltheater
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Die Wiederaufnahme von Richard Straussens Oper „Salome“ im Nationaltheater

Zu Kent Naganos Schwächen gehört, dass er seine Stücke rasch abgibt. Ist Strauss keine Chefsache? Auch die Streichung des im Repertoire lästigen, die Strauss-Oper aber sinnvoll ergänzenden „Geheges“ von Wolfgang Rihm scheint ihm wurscht zu sein.

Dafür bekam der junge Johannes Debus eine Chance, die er nur teilweise nutzte. Er begann mit überraschend getragenem Tempo und konnte viele Wackler, Patzer und Alltagsrohheiten wie die im Parkett bei Ausbrüchen bisweilen lärmig vorschmeckende Tuba und die laute elektrische Orgel am Schluss nicht verhindern.

Zwiespältig

Die für Nadja Michael eingesprungene Erika Sunnegårdh traf Salomes Kindlichkeit in lyrischen Passagen und imponierte in den Ausbrüchen mit einem durchdringend-flackerndem Forte. Im Schlussgesang wagte sie als Darstellerin im Umgang mit dem Kopf die angemessen exaltierte Geschmacklosigkeit. Für das ganz große Strauss-Erlebnis müsste sie geschmeidiger singen.

Erfreulich frisch die Chargenstimmen einschließlich des offensichtlich geprobten Juden-Quintetts. Zwiespältig wie der ganze Abend blieb dafür Alan Helds Jochanaan: Ihm fehlte die letzte Kraft. Auch in den lyrischen Passagen wirkte er seltsam hartstimmig. Und wie in jeder „Salome“ seit Jahrzehnten wunderte man sich, dass Intendanten, Dirigenten und Sänger den irgendwie technisch unschön gefilterten Gesang des Propheten aus der Zisterne dulden.

Robert Braunmüller

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