Grandiose College-Gang

Die Theaterakademie landet mit Vivaldis „Orlando furioso“ im Prinzregententheater einen echten Kracher
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Die Theaterakademie landet mit Vivaldis „Orlando furioso“ im Prinzregententheater einen echten Kracher

Genau so haben wir uns Alcina, dieses wilde Zauberweib, immer vorgestellt: im grauen Flanellfaltenrock. Ihr exotisches Inselreich? Ein Baugerüst. Und in die amouröse Glückseligkeit führt ein Baumstamm, quer überm Orchestergraben.

Grau ist eben nicht nur die Theorie, sondern bei Christof Nel auch gerne die Theaterpraxis. Allerdings schleudert uns Vivaldi so viele Farbbeutel um die Ohren, dass die Bühnengrisaille (Thomas Goerge) die Gaudi nicht mindert. Und dann ist in dieser Münchner Erstaufführung des „Orlando furioso“ so viel College-Pullunder-Personal (Kostüme: Dagmar Morell) unterwegs, dass das Auge eh nie zur Ruhe kommt.

Alle haben ihren Spaß, nur Puristen müssen draußen bleiben

Weshalb? Regisseur Nel musste in seiner Inszenierung nicht mit hochbezahlten Stars haushalten, sondern sollte oder wollte möglichst viele – fabelhafte – Studenten der Theaterakademie ins Rampenlicht hieven. Die Lösung: Vier der sieben Rollen wurden verdoppelt, erhielten eine beste Freundin oder einen Kumpel, Arien wurden mehrfach aufgeteilt. Und so entstand ein vogelwildes Vexierspiel, in dem sich eine Gang pubertierender Pennäler gut zwei Stunden triezt und anbaggert, vermöbelt und begrapscht. Das hat Drive, oft zu viel Klamauk und wirkt trotzdem. Weil Vivaldis Musik ganz einfach grandios ist! Und brillant gespielt und gesungen wird.

Michael Hofstetter und die exquisite Hofkapelle München boten dem Nachwuchs eine Etage höher die ideale Basis. Und die Counter-Boys (Valer Barna-Sabadus, Roland Schneider!) jammerten und jubelten zum Sterben schön, wobei die Mädels ihren Kommilitonen nicht nachstanden. Für Puristen ist dieses Vivaldi-Spektakel harter Tobak, für vergnügungssüchtige Barockfans ein echter Kracher.

Christa Sigg

Noch am 13., 16., 18. und 20.11. um 19.30 Uhr, Tel.2185 – 2899

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