So ist "Baumeister Solness" in der Regie von Christian Stückl

Christian Stückl inszeniert Henrik Ibsens eher selten gespielten „Baumeister Solness“ mit einem furiosen Maximilian Brückner im Volkstheater
Mathias Hejny |
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Maximilian Brückner und Magdalena Wiedenhofer
Arno Declair 3 Maximilian Brückner und Magdalena Wiedenhofer
Maximilian Brückner und Pola Jane O?Mara
Arno Declair 3 Maximilian Brückner und Pola Jane O?Mara
Maximilian Brückner und Pola Jane O?Mara
Arno Declair 3 Maximilian Brückner und Pola Jane O?Mara

Der Architekt mit Höhenangst ist traditionell eine Aufgabe für einen Schauspieler im bereits gesetzteren Alter. Als 1893 sein „Baumeister Solness“ uraufgeführt wurde, war Henrik Ibsen bereits 65 und wusste, wie sich ein gelebtes Leben anfühlt.
Dem Halvard Solness, der als einer der größten Architekten seiner Zeit gefeiert wird, gab der als größter moderne Dichter seines Landes geltende Ibsen eine bewegte Vita einschließlich tragödischer Verstrickungen mit: Wie es einst zum Brand des Hauses der Schwiegereltern kam, der einerseits den Grundstein für die berufliche Karriere legte, andererseits die beiden Kinder tötete, bleibt unklar. Aber es bleiben Schuldgefühle.

Frank Castorf hatte vor drei Jahren die Titelrolle mit dem damals 43-jährigen Marc Hosemann besetzt. In der Inszenierung von Christian Stückl im Münchner Volkstheater ist Solness der erst 38-jährige Maximilian Brückner, beliebt sowohl als Boandlkramer im „Brandner Kasper“ am gleichen Haus oder für einige Folgen als saarländischer „Tatort“-Kommissar mit bayerischem Migrationshintergrund.

Entschlackt

Die Castorfschen Selbsthuldigungsorgien sind freilich nicht zu erwarten, wenn Stückl Ibsen macht. Abgesehen von spürbar entschlackenden Strichen kommt der norwegische Naturalist vom Blatt.

Ausstatter Stefan Hageneier, Stückls Baumeister des Vertrauens, entwarf das Eigenheim des Ehepaars Solness in transparentem Hyper-Bauhausstil. Die Wände sind durchsichtig von der Rampe bis in die Tiefe des Bühnenraums, gerahmt von einem Käfig aus edel glänzendem Aluminium. Das Unheil ist schon im ersten Bild zu sehen: Halvard Solness schläft in Unterwäsche und mit einer Tüte aus einem Fastfood-Imbiss auf dem Kopf einen Rausch aus. Sanft wird er von der Mitarbeiterin Kaja (Luise Kinner), die ihren Chef verehrt und verlobt ist mit seinen Assistenten Ragnar (Mehmet Sözer), geweckt.

Geworfene Fritten

Der Baumeister kommt schnell als Kotzbrocken in Hochform, wirft mit den Resten von Burger und Fritten, pöbelt die Angestellten autoritär an und entfaltet die ganze Kunst eines skrupellosen Manipulators. Das Motiv für diesen Horror von Unternehmenskultur ist auch bald klar: Angst. Die Furcht etwa vor dem noch jüngeren Ragnar, der gut ist in seinem Fach und Solness vielleicht eines Tages von seinem Firmenthron stoßen könnte, so wie dieser es selbst mit seinem Vorgänger gemacht hat.

Lesen Sie auch unser Interview mit Pola Jane O'Mara

Sein schlechtes Gewissen manifestiert sich in zwei Frauen, die ihn hier wie schwarze Vögel umlauern. Ehefrau Aline (Magdalena Wiedenhofer) hält die Erinnerung an den Tod der Kinder still und leicht verstört wach. Dann taucht auch noch Hilde Wangel (Pola Jane O´Mara) auf.

Mehr eine Skizze

Die junge Frau ist eine Bewunderin des Baumeisters seit ihrer Kinderzeit und wird ihr Idol in den Tod treiben – trotz seiner Höhenangst will er, um Hilde zu imponieren, den Richtkranz auf sein neues Haus bringen und stürzt ab. Bei Stückl ist dieser Sturz ein richtig guter Theatereffekt. Aber Solness fliegt so schnell vorbei wie Vieles in diesem Hochgeschwindigkeits-Drama. Das Personal aus dem Büro des von seiner Karriere berauschten Baumeisters bleibt als entschlossen hingeworfene Skizze haften, weniger als detailliert ausgefeilte Architekturzeichnung.

Münchner Volkstheater, wieder am 5., 6., 12., 21., 22. April, 19.30 Uhr, Karten unter 5234655

 

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