Schwabinger Eulenspiegeleien

Das Tams-Theater spielt "Till" im Seehaus-Stadl im Englischen Garten.
Mathias Hejny |
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Axel Röhrle (links), Marion Niederländer, Sebastian Fischer und Helmut Dauner.
Axel Röhrle (links), Marion Niederländer, Sebastian Fischer und Helmut Dauner. © Felicitas Rall-Wirtz

Am Anfang steht das Ende eines Narren und Till Eulenspiegel wird zu Grabe getragen. Im neuen Stück des Tams-Theaters, das als Sommerproduktion und Beitrag zum Open-Air-Projekt "375 Hektar" im Englischen Garten unweit des Seehauses zu sehen ist, wird der Titelheld mit oberbayerischer Blasmusik betrauert. Der historische Mann dieses Namens soll 1350 im holsteinischen Mölln gestorben sein, aber so genau weiß das keiner mehr und vor allem kann niemand sicher sagen, ob es diesen Eulenspiegel überhaupt gegeben hat.

Er ist Held eines Bestsellers aus dem 16. Jahrhundert, aber seine nicht immer so lustigen Streiche werden in der Inszenierung von Lorenz Seib nicht einfach nacherzählt. Es geht um einen Kerl, der nicht zu fassen ist und es gibt kaum eine Gegend in Deutschland, in der man von keiner Begegnung mit dem Schelm berichten könnte.

Ein Wurmloch, das aus Eulenspiegels Mittelalter direkt ins Jetzt führt

Dabei sind die Narreteien für die, die sie betreffen, wenig schmeichelhaft. Der Narr begegnete seiner Welt, wie er sie vorfand, auf Augenhöhe und spielte scheinbar bei den kleinen Lügen wie den größeren Betrügereien einfach mit.

Marion Niederländer, Helmut Dauner, Sebastian Fischer und Axel Röhrle sowie der für die Blasmusi zuständige Leo Gmelch finden lässig und in geradezu narrisch guter Spiellaune das Wurmloch, das aus Eulenspiegels Mittelalter direkt ins Jetzt führt. Mehr oder weniger nah entlang der alten Geschichten gibt es großen Hype um einen, der erst vom Rathaus, dann vom Hauptbahnhof oder doch lieber von der Allianz-Arena aus einen Rundflug machen will, oder der Schelm interpretiert das Geschäftsmodell "Takeaway" wörtlich und nimmt sich seine "TKW-Pizza" einfach ohne zu zahlen mit.

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Die Ursachen für die Krise des Gesundheitssystems, das weiß der Narr, sind nicht die hohen Kosten und die wenigen Ärzte, sondern "das Problem sind die Kranken", und die lassen sich leicht vergraulen. Manchmal herzerfrischend grob, aber auch mal poetisch und mal amüsant spinnös purzeln die Schwabinger Eulenspiegeleien mit den direkten Mitteln des Straßentheaters durch die seltsamen Wahrheiten der Eitlen und Selbstverliebten.

Denn, so lernen wir im schwer philosophischen Untertitel: "Die Wahrheit ist auch nur erfunden". 


Seehaus-Stadl im Englischen Garten, Sa. und So. 19 Uhr

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