Die Oper "Die Stadt" bringt echte Müllmänner auf die Bühne
Was würde passieren, wenn Münchens Müllmänner ihren Dienst einstellen würden? Ohne deren tägliche Leistung würde die Stadt wahrscheinlich spätestens nach einem Jahr in der Flut der eigenen Abfälle ersticken. Lediglich die Kirchturmspitzen der Frauenkirche würden noch hervorschauen.
Die Komponistin Nélida Béjar und der Regisseur Björn Potulski schaffen durch ihre Oper „Die Stadt“ mit einem Chor, der aus echten Münchner Müllarbeitern besteht, ein Bewusstsein für die Arbeit der Müllabfuhr. Das Bühnenbild ist einfach, aber durchdacht. Es besteht aus Abfall, Ton, Wasser und Steinen. Der Boden der Bühne ist aus getrockneten Lehmziegeln gebaut. Die Hauptdarsteller sind zwei Frauen und sieben Männer der Münchner Abfallwirtschaft.
Während des Stücks brauchen die Darsteller nur wenige Minuten, um die ganze Bühne in eine Sperrmüllhalde zu verwandeln.
Der Müll ist die Schattenseite der heutigen Globalisierung
Die Oper handelt von dem Wiederaufbau einer Zivilisation, die in der letzten Sintflut untergegangen ist. Es werden Motive des 4000 Jahre alten Gilgamesch-Epos verwendet. „Ein zentrales Motiv in dem Epos ist die Sintflut“, erklärt Potulski. „Dessen Sintflut-Idee verbindet sich mit der Grundidee, die wir auf die Müllmänner übertragen haben, die mit ihrer täglichen Arbeit verhindern, dass unsere Stadt in einer Müllflut versinkt.“ Der Müll ist die Schattenseite der heutigen Globalisierung.
Für das Team Béjar-Potulski, die auch privat ein Paar sind, ist es nicht das erste Projekt dieser Art. Ihre Zusammenarbeit begann im Jahr 2007. Seitdem brachten sie immer wieder Laien auf die Bühne: Sei es ein Matrose der Marine Maltas gemeinsam mit einem afrikanischen Bootsflüchtling für ihr Projekt „Exodus“, das die Suche nach „Gelobten Ländern“ behandelt, seien es Arbeiter aus dem Ladedienst des Flughafens München für die Produktion „Schwerer als Luft“, das den Traum vom Fliegen thematisiert. Stets besetzen sie ihre Stücke mit Laiendarstellern, deren Leben und Arbeit sich mit den Themen der Produktionen überschneiden.
Es stehten Menschen auf der Bühne, die man dort nicht erwartet hätte
Die Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebes haben für das Stück knapp ein Jahr geprobt. Die ersten Monate bestanden aus Schauspiel- und Gesangsübungen, um die Grundfertigkeiten aufzubauen. „Allein durch den Mut, ins kalte Wasser zu springen, haben sie bereits eine Qualität unter Beweis gestellt, die viele andere nicht haben“, berichtet Potulski stolz.
Die Musik ist eine Mischung aus Klassik und alternativem Rock. Die Darsteller singen in Englisch (nach der Erstübersetzung des Epos), unterstützt von der Jazzsängerin Marie Brandis, dem Schlagzeuger Jay Lateef und Béjar selbst am Synthesizer. Das Menschen auf der Bühne stehen, die man dort nicht erwartet hätte, und auf ihr agieren und singen, das überzeugt.
„Die Stadt“, Schwere Reiter, Dachauer Str. 114, 15.-18. 12., um 20 Uhr, Eintritt: 17 Euro (erm. 10 Euro), über Münchenticket: 20,40 Euro
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