Blitzkritik: My Fair Lady am Gärtnerplatz

Auch wer "My Fair Lady" schon des Öfteren gesehen hat, wird sich bei der Darbietung am Gärtnerplatz mit Sicherheit nicht langweilen.
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Auch wer "My Fair Lady" schon des Öfteren gesehen hat, wird sich bei der Darbietung am Gärtnerplatz mit Sicherheit nicht langweilen.

Sie ist wieder da. Seit 1984, ihrem ersten Auftritt am Gärtnerplatztheater, hat sich die eiserne Lady über zweihundert Male den arroganten Nadelstichen des blasierten Phonetik-Professors Higgins ausgesetzt, bis sie endlich fehlerfrei ausspricht, worauf alle warten: „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen.“

Alles, nur kein Happy End, wollten die Autoren Alan Jay Lerner (Buch) und Frederick Loewe (Musik). Und August Everdings immer noch pfiffige Inszenierung lässt keinen Zweifel daran: womöglich wird Eliza dann doch noch den braven Langweiler Freddy bevorzugen. Eine bildungsbeflissene Göre und ein eingefleischter Junggeselle, dem Milton wichtiger ist als Gefühle - Gärtnerplatzintendant Ulrich Peters kennt den Speck, mit dem man Mäuse füttert. Manche sangen mit, es wurde viel gelacht und es wäre sicher noch lustiger gewesen, hätte man etwas mehr von den Texten verstanden. Doch der Dirigent Henning Kussel nahm nicht immer Rücksicht auf die Akteure, die sich allesamt als stimmliche Leichtgewichte entpuppten.

Etwa Milica Jovanovic als Eliza: niedlich anzusehen, um Pointen bemüht, aber gesanglich nicht allzu durchschlagskräftig. Hardy Rudolz ist als Higgins derzeit wohl eine Idealbesetzung, vor allem dann, wenn er wehleidig nach der Mama ruft, weil er mal wieder mit seinem Latein am Ende ist. Thomas Peters machte aus den kitschigen Tenor-Liedchen des Freddy das Beste, und das ist eine ganze Menge. Gute Laune auch bei Dirk Lohr (Alfred P. Doolittle) und Gunter Sonneson (Oberst Pickering). Auch wer „My Fair Lady“ schon oft gesehen haben mag, hat keinen Grund, sich zu langweilen.

Volker Boser

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