Bewundernswert, nicht peinlich: „Die Affäre“

Sie will ihn – und dafür wird sie jeden Preis bezahlen, jeden! „Die Affäre“ heißt banal der deutsche Titel für Catherine Corsinis französisches Drama „Partir“, in dem es tatsächlich ums Weggehen geht, um Verlassen und Verlassenwerden und die bitteren Konsequenzen daraus.
von  Abendzeitung

Sie will ihn – und dafür wird sie jeden Preis bezahlen, jeden! „Die Affäre“ heißt banal der deutsche Titel für Catherine Corsinis französisches Drama „Partir“, in dem es tatsächlich ums Weggehen geht, um Verlassen und Verlassenwerden und die bitteren Konsequenzen daraus.

Er ist so viril zupackend, dabei zurückhaltend, fast scheu. Sie ist eine Frau Anfang 40, patent als Familienmanagerin in einem goldenen Käfig und dabei, endlich wieder als Physiotherapeutin zu arbeiten. Ihre Begegnung bedeutet ein sexuelles Wiedererwachen für Suzanne (Kristin Scott Thomas), geradezu eine Erschütterung. Sie will ihn, den spanischen Bauarbeiter Ivan (Sergi López) – und dafür wird sie jeden Preis bezahlen, jeden!

„Die Affäre“ heißt banal der deutsche Titel für Catherine Corsinis französisches Drama „Partir“, in dem es tatsächlich ums Weggehen geht, um Verlassen und Verlassenwerden und die bitteren Konsequenzen daraus. Ein ewig aktuelles Kino-Sujet. Hier funktioniert es nicht, da kann auch die grandiose, mutige Kristin Scott Thomas nichts retten. Denn die Autor-Regisseurin macht einen dramaturgischen Fehler: Gleich zu Beginn fällt im Edel-Wohnambiente ein Schuss. Eine Frau steigt aus dem Bett, der Mann schläft, sie nimmt eine Jagdflinte zur Hand – und bumm! Ab nun befindet sich der Zuschauer in einer Rückblende, die fast bis zum Schluss dauert.

Anders als zum Beispiel in alten „Colombo“-TV-Krimis macht das Rätseln hier keinen Spaß, denn voraussehbar hakt Corsini Stationen einer fatalen Leidenschaft ab. Suzannes Ehemann Samuel (Ivan Atal), ein erfolgreicher Chirurg in Nimes und dünkelhafter Macho, reagiert zunehmend irre, als er erkennt, dass seine Frau nicht nur eine kleine Affäre hat mit Ivan, den er engagiert hat, ihr in einem Nebengebäude der Villa eine kleine Praxis auszubauen.

Als Suzanne ihn verlässt, sperrt Samuel ihr alle Kreditkarten, sorgt dafür, dass sie und Ivan ihre Jobs verlieren. Dazu gibt es jede Menge expliziter Sex-Szenen auf armseligen Laken im Sozialbau. Bewundernswert, wie Scott Thomas und López das absolvieren, ohne peinlich zu wirken.

Angie Dullinger

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