Vier Götterfunken statt Walzer und Polka
Nürnberg - Christof Prick und sein Philharmonisches Orchester wollen mehr Publikum gewinnen und träumen von einem eigenen Konzertsaal
Ein bisschen Sommernachtsträumerei durfte sein beim gestrigen Pressegespräch, zu dem Philharmoniker-Chef Christof Prick für die Bewerbung seiner Konzerte ins Opernhaus geladen hatte. Man hätte, war rundum zu hören, gern eine richtige Philharmonie statt der „ungeliebten“ Meistersingerhalle – und ein Mittel, der breiten Bevölkerung beizubringen, was der Unterschied zu den Symphonikern ist. Gleich zwei unlösbare Aufgaben.
Nach dem heutigen Ende der Saison (mit Gershwins Rhapsody in Blue) kann das Stammpublikum auf gediegene Konzert-Programme der Opernmusikanten vertrauen. Prick selbst führt die Mahler-Pflege mit der „unbequemen“ Sinfonie Nr. 6 fort und hängt nach noch drei eigenhändigen Abenden (Mozart/Strauss, Schubert/Strauss, Mendelssohn) als Sebalder Sonderkonzert zur Orgelwoche die Bruckner-Vierte „in der Kirche, wo sie hingehöert“, dran.
Vier Gast-Dirigenten (Shi-Yeon Song als Nachwuchs-Dirigentin sowie Aleksandar Markovic, Gabriel Chmura und Marcus Bosch aus der Maestro-Mittelklasse) ergänzen das Tableau. Prick selbst wird dann auch noch „nicht als Traditions-Bruch, sondern als Schattierung“ für die vier Neujahrskonzert-Termine im Opernhaus statt Walzer und Polkas Beethovens „Neunte“ mit dem Hans-Sachs-Chor einstudieren. Dass dies vier Tage vorher vom Lehrergesangverein in der Meistersingerhalle auch getan wird, war in der offenbar schwer durchschaubaren Nürnberger Musik-Szene nicht bekannt. Immerhin, beim LGV ist es noch 2008, bei Prick schon 2009.
Die lange Suche nach einem Philharmoniker-Konzertmeister geht weiter, an Wiederbelebung der Kooperationskonzerte zwischen Philharmonikern und Symphonikern ist vorerst nicht gedacht. Auseinander kann man sie ja doch besser unterscheiden. D.S.
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